Es herrscht Katastrophenstimmung. Vor allem jungen Leuten, die sich früher kaum Gedanken über ihre Rente machten, graust es vor der Zukunft. Sie fühlen sich betrogen: Einerseits zahlen sie Monat für Monat horrende Beiträge zur Rentenversicherung, andererseits verbreitet sich der Eindruck, als könnten sie im Alter rein gar nichts mehr erwarten von der gesetzlichen Kasse. Denn die Einnahmen von heute kommen den jetzigen Rentnern zugute.

Sind die stolzen 19,5 Prozent vom Bruttoeinkommen, die zwangsweise in die Rentenkasse fließen, vergeudetes Geld? "Nein", sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Die gesetzliche Rentenversicherung ist besser als ihr Ruf." Oder, anders ausgedrückt: Wer nur privat vorsorgen kann, steht nicht unbedingt besser da.

Das Grundproblem: Altersvorsorge hat einen nicht überschaubaren Zeithorizont. Der heute 30-Jährige braucht auch mit 80 noch finanzielle Sicherheit. Wie aber wird die wirtschaftliche Lage in 50 Jahren sein, wie hoch die Inflation? Mit welchen Zinssätzen ist dann zu rechnen, mit welchen Aktienkursen? Was werden Immobilien noch wert sein, wenn die Bevölkerung stark schrumpft? Fragen, auf die es keine verlässlichen Antworten gibt.

Das Horrorszenario, dass im Deutschland des Jahres 2050 auf einen Erwerbstätigen womöglich gar drei Rentner kommen, hätte nicht nur Folgen für die gesetzliche Rente. Das Wirtschaftswachstum wie die Kapital- und Immobilienmärkte wären gleichermaßen betroffen – der Wohlstand insgesamt.

Vor den möglichen Folgen der demografischen Entwicklung ist keine Form der langfristigen Vorsorge gefeit. Experten raten deshalb zu einem Mix, aus Aktienfonds, fest verzinslichen Papieren, Immobilien – und der gesetzlichen Rente. Die Mischung mindert das Risiko. Nur wird alles zusammen für die meisten Menschen zu teuer, weil die Rentenbeiträge bereits gewaltige Summen verschlingen.

Grundversorgung per Gesetz

Die gesetzliche Rente bietet eine Grundsicherung, die gleich für verschiedene Situationen vorsorgt; privat wäre jeder dieser Aspekte einzeln zu versichern. Zum einen fließt sie bis ans Lebensende, selbst wenn der Versicherte 100 Jahre alt wird. Zum anderen versorgt sie auch die Hinterbliebenen. Zudem bietet sie Schutz bei Erwerbsminderung. Und obendrein wächst im Laufe der Jahre der ausgezahlte Betrag, um den sinkenden Wert des Geldes auszugleichen – auch wenn die Anpassung an den steigenden Durchschnittslohn künftig bescheidener ausfallen wird.

Zusätzlich bietet die gesetzliche Kasse viele soziale Aspekte, die bei einer Privatversicherung undenkbar wären. Frauen sind zum gleichen Tarif wie Männer versichert, obwohl sie meist länger leben und somit länger Rente beziehen. Für jedes Kind bekommen Mütter außerdem Beiträge gutgeschrieben, als hätten sie drei Jahre lang den Durchschnittslohn verdient. Und bislang berücksichtigt die Kasse auch für die Schul- und Universitätsausbildung nie gezahlte Beiträge für bis zu drei Jahre – was sich künftig aber ändern soll.