Nein, richtig glücklich kann Heinz Breer über den Ausgang seines Verfahrens nicht sein. Der Zoophysiologe von der Universität Hohenheim hatte 1998 für seine Forschungen über den Geruchssinn den höchstdotierten Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verliehen bekommen. Nun muss er sich von der DFG "wissenschaftliches Fehlverhalten" vorwerfen lassen. Für den Leibniz-Preisträger ein harter Schlag, für die Wissenschaft eher eine gute Nachricht: Beweist sie doch, dass Schlampereien im Labor nicht länger als Kavaliersdelikt geduldet werden.

Zwar hat es lange gedauert, bis die Vorwürfe eines ehemaligen Postdoktoranden von Breer Gehör fanden (ZEIT Nr. 21/03). Doch dann wurde die Aufklärung überraschend schnell vorangetrieben. Im Mai eröffnete die DFG ein Untersuchungsverfahren, bereits im Juli präsentierte sie ihr erstes Ergebnis. Darin wurde eine Publikation beanstandet, für die nicht Breer, sondern ein Teil seines Teams verantwortlich zeichnet. Der Arbeit wurden Mängel "technischer Art" attestiert, die "im Rahmen eines Erratums" zu korrigieren seien.

Härter dagegen fiel das Urteil aus, das die DFG vergangene Woche über ein Paper fällte, das Heinz Breer zusammen mit Johannes Noé veröffentlichte. Darin war eine Abbildung so retuschiert worden, dass das Ergebnis überzeugender erschien. Die Aussage des Experiments sei so zwar nicht verändert worden, befand die DFG. Dennoch wertet sie das Vorgehen als "Datenmanipulation" und erteilt Breer und Noé eine "Rüge". Dies ist die mildeste Form der DFG-Sanktionen – aber sie fügt dem Ansehen des hoch dekorierten Forschers einen empfindlichen Kratzer zu.

Zugleich muss der klare Urteilsspruch auch anderen Forschern zu denken geben, denn ähnliches Datenschönen ist in vielen Labors gang und gäbe. Damit, so hat die DFG deutlich gemacht, muss Schluss sein.

Doch das Verfahren beweist nicht nur den Willen, wissenschaftliche Manipulationen schonungslos zu ahnden, sondern zeigt zugleich die Grenzen der Aufklärungsarbeit: Denn ob die inkriminierten Veröffentlichungen aus Breers Labor wirklich nur bedauerliche Ausrutscher sind, bleibt ungeklärt. Untersucht wurden lediglich die beiden Arbeiten, auf die Breers Postdoktorand hinwies. Für weiterführende Recherchen fehlten ihr die juristischen Befugnisse, heißt es bei der DFG. Dafür schreibt sie treuherzig: "Herr Breer hat versichert, dass alle anderen unter seiner Ko-Autorschaft veröffentlichten Publikationen frei von Fehlern seien." Ach, könnten wir nur alle immer so vertrauensvoll sein! Ulrich Schnabel