Ist Google Gott?" Diese Frage ist vielleicht der letzte Beweis dafür, wie einflussreich und mächtig der Internet-Suchdienst Google geworden ist. Kritiker, die das Unternehmen genau beobachten, haben diese Frage gestellt. Ihr Sprachrohr namens www.google-watch.org berichtet über möglicherweise halbseidene Geschäftspraktiken – auch über "Googles Erbsünde": die umstrittene Art und Weise, wie im Netzwerk der Firma die Suchergebnisse sortiert werden.

Weitere Artikel werden folgen – vor allem, wenn Presseberichte aus den vergangenen Tagen zutreffen. Demnach will Google-Vorstandschef Eric Schmidt das Unternehmen schon Anfang des nächsten Jahres an die Börse bringen.

Attraktiv genug ist das Unternehmen zweifellos: Anders als die meisten Start-ups des ersten High-Tech-Booms offeriert Google nicht nur nützliche Dienste, sondern auch innovative Technik und ein vielversprechenden Geschäftsmodell. Es beantwortet derzeit drei Viertel aller Web-Anfragen im globalen Datennetz. Anders gesagt: Jede Internet-Seite, die von Google nicht beachtet wird, führt ein Schattendasein in der Netzwelt.

Weil Google also eine virtuelle Großmacht darstellt, wird das Unternehmen nach ersten Einschätzungen mit 15 bis 25 Milliarden Dollar bewertet. Es würde, was den Marktwert angeht, in der gleichen Liga spielen wie Amazon oder eBay, den beiden anderen Stars der Online-Branche.

Andererseits versucht sich Google von der Konkurrenz zu unterscheiden. Die Manager überlegen, die Aktien teilweise in einem Verfahren zu verkaufen, das weit fairer sein könnte als ein traditioneller Börsengang: bei einer Versteigerung im Internet.

Einen Start-up neuen Typs zu schaffen – das war von Anfang an das Ziel von Sergej Brin und Larry Page, zwei Doktoranden der Stanford-Universität im Silicon Valley. Anstatt einen schnellen Börsengang anzustreben, entschieden sie sich 1998 für die damals als ausgereizt und wenig gewinnträchtig geltende Online-Suche. Und anstatt ihr Startkapital für Werbung, Partys und Büromöbel zu verschwenden, investierten sie vor allem in ihre Technik und die Qualität ihres Suchdienstes.

Dabei setzten die beiden Gründer beispielsweise auf Geschwindigkeit. Im Schnitt dauert es nur wenige Zehntel einer Sekunde, um einen Begriff in den über 3,3 Milliarden Web-Seiten zu suchen, die Google abgespeichert hat. Wichtiger noch war die Relevanz der Resultate: Brin und Page entwickelten dafür eine Software, die unter anderem jeden Verweis zu einer Web-Seite als "Stimme" für sie wertet. Je mehr "Stimmen" eine Seite auf sich vereint, umso weiter oben erscheint sie bei Google.

Dank seines Komforts wurde Google schnell zu einem Dienst, bei dem sich die meisten Nutzer wundern, wie sie jemals ohne ihn ausgekommen sind. Mehr als 200 Millionen Anfragen beantwortet er jeden Tag. Dabei wird Google längst nicht mehr nur als Suchmaschine genutzt. Lehrer schauen nach, ob sich ihre Schüler im Internet bedient haben. Für informationshungrige Chinesen ist das Angebot eine Möglichkeit, Pekings großen elektronischen Schutzwall zu durchdringen. Und potenzielle Pärchen "googeln" sich gegenseitig – um ein bisschen Hintergrundwissen zu sammeln.