Es gibt eine Art der Rabattenbepflanzung, der Grünstreifen-, Verkehrsinsel- und Betonkultur, an der wir unsere deutsche Heimat sofort erkennen - und in der wir uns trotzdem nicht zu Hause fühlen. Das liegt an der gnadenlosen Rechtwinkligkeit, mit der Brückenpfeiler und Parkplätze in Wiesen und Auen vorstoßen, an den von Stuckenborstel bis München akkurat gepflasterten Wegen, der peinlichen Genauigkeit, mit der überall quadratisch-praktische Kloschilder auf die Hässlichkeit ihrer Containerumgebung abgestimmt werden - daran also, dass es den von Menschen gemachten Orten häufig am Menschlichen mangelt. Der Fotograf Dirk Reinartz zeigt in der Ausstellung Innere Angelegenheiten im Berliner Martin-Gropius-Bau, wie sich diese Orte mit gespenstischer Selbstverständlichkeit zu unserer unausweichlichen täglichen Umgebung auswachsen (bis zum 15. Dezember). Mit einer gewissen Kälte liefert auch Reinartz den Betrachter seinen Bildern aus und lässt ihn allein: Weder Text noch Titel verweisen hier aufs Zivile, und kein Mensch ist auf ihnen weit und breit zu sehen, nicht einmal ein Hund. Was diese Orte an Natur noch übrig ließen, wirkt trügerisch wie das Überdüngungsgrün der Wiesen und Felder - die Reste kulturellen Erbes erinnern an einen riesigen Sockel ohne Denkmal: entthront und dunkel. Reinartz, geboren 1947 in Aachen und seit 1998 Professor für Fotografie in Kiel, hat in der Tradition von Walker Evans und Robert Frank in der ganzen Welt als Fotoreporter gearbeitet, unter anderem für das ZEITmagazin. Nun zeigt seine von 1989 bis 2002 auf Reisen quer durch Deutschland entstandene Farbserie mit fast anarchistischer Sammelwut, wie wir hier und heute zu leben verstehen. An den Autobahnauffahrten und den Buswartehäuschen, bei der vorschriftsmäßigen Anlage von Notausgängen haben wir alles im Griff, und die kecken spielzeugblauen Balkone künden gar von unserem Humor. Ansonsten haben wir in dieser heillos ordentlichen Legowelt nicht mehr alle Tassen im Schrank.