In dieser Woche läuft der Film "Luther" in den deutschen Kinos an. Erwarten Sie nun einen Besuchersturm?

Die Lutherstätten gelten als romantisch, erhaben, großartig – vor allem bei Rentnern, Kirchengruppen und amerikanischen Lutheranern auf Bibeltour. Jetzt hoffen wir auf junge Gäste, die den Film anschauen, weil sie den Hauptdarsteller Joseph Fiennes mögen und dann denken: Luther ist einen Ausflug wert.

Kritiker sagen, der Film-Reformator entspräche nur teilweise der historischen Figur.

Der echte Luther war eher beleibt. Im Film aber ist er rank, schlank, mit braunen Mandelaugen. Das Kino mag nun mal schöne Menschen. Auch ist nicht jede Filmszene historisch belegt: etwa jene, in der Luther Friedrich dem Weisen die übersetzte Bibel überreicht – sehr ergreifend, aber frei erfunden. Es ist ein Spielfilm, keine Dokumentation. Doch die wesentlichen Ereignisse stimmen.

Die Wartburg, auf der Luther die Bibel übersetzte, und das Augustinerkloster in Erfurt, in dem er lebte, haben fast unbeschadet die Jahrhunderte überstanden. Waren sie die ideale Filmkulisse?

Das Innere der Wartburg hat die Crew im Studio nachgebaut, selbst Luthers Schreibstube. Die ist zwar erhalten, war aber für die Kameras viel zu klein. In der Wartburg selbst wurde nur eine Szene gedreht: der Reichstag zu Worms. Im Augustinerkloster haben Helfer das Chorgestühl entfernt – es stammt aus späterer Zeit –, Lichtschalter überklebt und Kronleuchter abgeschraubt. In der Mitte des Kreuzgangs haben sie den Rasen umgepflügt und Schotter gestreut, denn damals war dort der Friedhof. Jetzt bietet das Kloster neben der Führung Auf Luthers Spuren auch den Rundgang Auf den Spuren des Luther-Films an.

Wie haben die Thüringer auf den Starrummel reagiert?