Nein, wir wollen nicht wieder schlechte Laune verbreiten, wollen nicht mäkeln, deuteln, beuteln und einen weiteren Film, der sich eines großen Themas annimmt, mit unseren kleingeistigen Kritteleien in seiner von Marketingstrategien fein asphaltierten Zielgeraden belästigen. Wir werden loben, bis die Fachwerkbalken brechen und Luther – Der Film einen wichtigen, ja epochalen Beitrag zur ökumenischen Aussöhnung nennen. Über die theologischen Details der Kirchenspaltung, mit denen uns schon amtsmüde Pfarrer in kleinkrämerischen Konfirmandenstunden belästigten, setzt sich dieses ganz und gar nicht nachtragende Werk von Eric Till nämlich souverän hinweg. Luther geht gleich ans große Ganze, und das heißt: Leidenschaft! Heldentum! 95 Thesen! Bauernaufstand! Hier-stehe-ich-und-kann-nicht-anders! Ein Lob den Drehbuchautoren, die das Joch der historischen Überlieferung mutig sprengen. Warum sich sklavisch an graue Fakten und ungeheizte Mönchszimmer halten, wenn man aufregende Szenen mit Blitz und Donner hinzuerfinden kann? Auch mit der unzeitgeistigen, ja leicht verwahrlosten Korpulenz des großen Reformators räumt dieser Film endlich einmal auf. Kein Rotwein und kein Rülpser, keine unkontrollierten Tintenfasswürfe, aber dafür ein Joseph Fiennes, der Luther mit Asketenblick und tiefen Augenringen in unsere chronisch überarbeitete Moderne überführt. Wir danken Peter Ustinov für seinen leutseligen Kurfürsten von Sachsen, lieben Mathieu Carrière als scharfnasigen Kardinal und schlagen Uwe Ochsenknecht, der LeoX. mit sanft hessischem Zungenschlag wahres Potentatentum verleiht, vorgreifend für die Papstnachfolge vor. Nichts und niemand soll vor unserem Lob sicher sein! Nicht die Samtwamsästhetik, nicht die düsteren Choräle, nicht die mitproduzierende Evangelische Kirche Deutschlands und schon gar nicht die fürsorgliche ARD, die uns Luther nächstes Jahr als Sonntagabendfilm im Reformationstagsumfeld bescheren wird.