Seinen Wahlsieg im vergangenen Herbst hat Gerhard Schröder mit einem emotionalisierten Antikriegswahlkampf errungen. Nun ist es die nüchterne, ganz und gar unpopulistische Reformpolitik, der er seine Niederlagen verdankt. Manchmal wird eben das Falsche belohnt und das Richtige bestraft.

Überraschend kommen sie jedenfalls nicht, die drastischen Einbrüche der SPD bei den Kommunalwahlen in Brandenburg. Sie liegen im Trend: Schröders Reformen, die deshalb so rigide ausfallen, weil sie so lange aufgeschoben wurden, stoßen fast überall auf harsche Ablehnung.

Ohne Umschweife hat der Kanzler die Verantwortung für das jüngste Wahldesaster auf sich genommen. Das ist eher unüblich. Aber es passt zu Schröders neuer Linie. Wie er seinen Reformkurs gegen alle Widerstände verteidigt, so trägt er das Risiko des Scheiterns ganz offen, fast demonstrativ. Noch die Niederlage verwandelt er in eine Botschaft - die einzige, die er in seiner Doppelrolle als Kanzler und SPD-Vorsitzender zu verkünden hat: Das Land muss da durch, die Partei erst recht.

Schon möglich, dass das nicht reicht, dass alle Hoffnungen auf eine "Reform-Dividende", mit der sich führende Sozialdemokraten Mut zusprechen, vergebens sind. Doch noch amtiert Schröder. Dass er nur Niederlagen und dennoch keine Alternative sieht, darin liegt für ihn nicht nur das Risiko, sondern auch die Chance der Geradlinigkeit. Ein Kanzler, der nicht schwankt, könnte auf Dauer selbst dem frustrierten Wahlvolk noch einmal imponieren.

Manchmal wird in der Politik auch das Richtige belohnt.