Kaum hat der Messeneuling Frieze Art Fair in London (ZEIT Nr. 43/03) buchstäblich sein Zelt abgebrochen, bieten in Köln 250 Galerien bei der 37. Art Cologne (29. Oktober bis 2. November) Kunst von der Moderne bis zur Gegenwart an. Dazu gesellt sich erstmals die art.fair (30. Oktober bis 2. November), auf der Werke zeitgenössischer Kunst bis maximal 5000 Euro an 55 in- und ausländischen Ständen zu finden sind. Ein Shuttle verbindet die Rheinhallen mit dieser "ersten Publikumsmesse" im Palladium – eine besucherfreundliche Geste der Messegesellschaft, die das junge Unternehmen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung sieht.

Dieser Geist zeugt vom integrierenden Einfluss des neuen Direktors der Art Cologne, Gérard Goodrow, der gerade mal sieben Wochen im Amt ist. Der 1967 geborene Amerikaner kennt die Kunstszene aus den verschiedensten Perspektiven: Als promovierter Kunsthistoriker hat er in großen Museen gearbeitet, er war als Kunstkritiker und Kurator tätig, hat Sammler beraten und war zuletzt erfolgreicher Chef der Abteilung zeitgenössische Kunst beim Auktionshaus Christie’s. So haben die Galerien einen kompetenten Ansprechpartner in Köln.

In seiner kurzen Amtszeit hat Goodrow schon richtig die Ärmel hochgekrempelt. Als Erstes hat er eine VIP-Karte für Künstler eingeführt, denn "es wird schon mal vergessen, dass sie die Produzenten von Kunst sind". Die viel bemängelten Wände wurden verstärkt und glatt tapeziert, und der auch für die Art Basel tätige Messeausstatter Uniplan hat die Restaurants in den Rheinhallen "der Kunst angemessen cool und minimalistisch gestaltet" (Goodrow). Jeder teilnehmende Galerist konnte dieses Jahr auf Kosten der Messe einen Sammler einladen. Allerdings will Goodrow solche Gäste künftig mit der Überzeugungskraft des verbesserten Angebots an den Rhein locken, "denn die Messe ist schließlich ein Wirtschaftsunternehmen". Flankiert wird die Art Cologne erstmals von der KunstFilmBiennale Köln im Media Park (www.kunstfilmbiennale.de). Die Messe erweitert ihr Blickfeld über die Domstadt hinaus auf die reiche Region zwischen Rhein und Ruhr und arbeitet mit den Düsseldorfer Museen K20 und K21, dem museum kunst palast, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfahlen, dem Kunstverein, der Kunsthalle und dem Leverkusener Museum Schloss Morsbroich zusammen.

Mit 20 geladenen Kölner Institutionen – darunter das Museum Ludwig, das wenig gastlich zum Messestart sein Foyer für Bauarbeiten aufreißen lässt – möchte die Art Cologne über eine bessere Kooperation für das Jahr 2004 verhandeln. Ob dann auch schon neue Ausstellungshallen bezogen werden, was wegen der Vermietung der Rheinhallen an RTL spätestens 2005 nötig wird, ist noch offen. Aber man darf jetzt schon sicher sein, dass die Messe den anstehenden Umzug nutzen wird, um sich von verkrusteten Standstrukturen zugunsten einer neuen Optik zu verabschieden.

Neben all den Neuerungen, die der ältesten Kunstmesse Deutschlands gut zu Gesicht stehen, zeigt ein Blick in den erstmals vor Messebeginn veröffentlichten Katalog ( www.koelnmesse.de ) auch die Defizite: Wichtige Kölner und Berliner Galerien haben sich ausgeklinkt. Auch Global Player wie Gagosian, White Cube, Thaddaeus Ropac und Michael Werner müssten neu gewonnen werden. Nun ohne sie und nach den großen Kunstmessen vom Oktober (in Berlin, Paris und London) fünf Tage lang über die Runden zu kommen ist für die Art Cologne und die teilnehmenden Galeristen nicht einfach. David Juda, Galerist in London, äußerte sich nach seinem Frieze-Auftritt schon vorab skeptisch zu Köln: "Psychologisch schwierig, da wird immer nur geklagt. Aber erstaunlicherweise haben in London viele deutsche Sammler gekauft." Von deren Seite wünscht er sich nun auch Solidarität mit Köln, "sonst geht die Messe kaputt".

Mit Künstlern aus Los Angeles tritt Daniel Buchholz auf der Art Cologne an, nachdem er in London Skulpturen von Isa Genzken und Arbeiten anderer deutscher Künstler im Gepäck hatte. Auch das Team Philomene Magers (München) und Monika Sprüth (Köln) ließen sich nach London für die Art Cologne etwas Neues einfallen: Sie feiern das 20-jährige Bestehen der Galerie mit eigens für das Jubiläum angefertigten Werken von Künstlerinnen wie Sylvie Fleury, Jenny Holzer und Cindy Sherman. Eine amüsante Kaufhilfe via Bildschirm steuert die Harald Schmidt Show bei: Sie schickt Mitarbeiterin Nathalie auf die gegenüberliegende art.fair zum Kunstshopping. Zeitversetzt am selben Tag (30. Oktober, 23.15 Uhr, Sat.1) können die Zuschauer dann dabei sein und sich anstecken lassen ( www.art-fair.de ).