Max Liebermann (1847 bis 1935), das war der Großbürger, der am Pariser Platz gleich neben dem Brandenburger Tor wohnte, der im kaiserlichen Berlin der Jahrhundertwende die Impressionisten durchsetzen konnte, bevor ein Pariser Museum sie kaufte, der Kunstpolitik gegen den kaiserlichen Geschmack treiben konnte, ohne gesellschaftlich dafür geächtet zu werden. Kurz: Liebermann war der Lieblingsmaler der Gesellschaft und ist es bis heute geblieben. Das gilt vielleicht besonders für den impressionistischen Liebermann, für seine eleganten Polospieler und Sommergäste, aber auch für den altmeisterlichen Realisten mit seinen dunklen Bildern der Bauern und Netzflickerinnen. Die Kunsthalle Würth zeigt nun 80 frühere Werke des Malers unter dem Titel Poesie des einfachen Lebens (das Gemälde "Strand bei Noordwijk" – unser Bild – ist aus dem Jahre 1908). Später schwelgte Liebermann in duftig hingehauchten Ansichten des eigenen Gartens am Wannsee. Gemeinsam ist allen Bildern Liebermanns unaufgeregter Blick auf die Welt. "Nichts trügt weniger als der Schein", pflegte er zu sagen, und sah die Realität durch die Brille der Kunst. A.M.

Bis 29. Februar 04, Kunsthalle Würth, Lange Straße 35, 74523 Schwäbisch Hall, Tel. 0791/94672-0, www.kunst.wuerth.com . Täglich 10–18 Uhr, Eintritt 5 Euro