Seit Wochen gibt es Streit um das in der Anderen Bibliothek des Eichborn Verlages erschienene Buch der Anonyma Eine Frau in Berlin: Sind ihre Aufzeichnungen aus dem Jahre 1945 authentisch oder nicht? (ZEIT Nr. 42/03).

Nachdem der Verlag, der Herausgeber der Reihe, Hans Magnus Enzensberger, und die Nachlassverwalterin der Anonyma, Hannelore Marek, sich lange gesperrt haben, den kritischen Fragen zur Textgeschichte nachzugehen, hat der öffentliche Druck nun offenbar einen Sinneswandel bewirkt. In einer Presseerklärung der vergangenen Woche bekundete der Eichborn Verlag sein Interesse "an einer lückenlosen Aufklärung". Man sei im Gespräch mit einem renommierten Historiker, "der mit philologischer Gründlichkeit und Sorgfalt die Editionsgeschichte des Textes prüft". Wer dieser Historiker ist, wird freilich nicht verraten, und auch in der Frage der Identität der Anonyma hält sich der Verlag weiterhin bedeckt, obwohl durch die Recherchen Jens Biskys und Götz Alys (Süddeutsche Zeitung vom 24. 9. und 18./19. 10. 2003) darüber inzwischen einigermaßen Klarheit besteht.