Er wuchs auf in einer Kleinstadt in der Nähe von Berlin. Seine Eltern waren beide Ärzte. Der Vater behandelte Patienten, auch wenn sie arm waren und nicht bezahlen konnten.

Er hatte noch einen Bruder und beide spielten mit den Nachbarkindern auf der Straße. In der Schule lernte er schnell und war bei den Mitschülern und Lehrern beliebt.

Die Eltern erzogen ihre Kinder zu echten Preußen, sonst war ihr Glaube eine Mischung aus jüdischer Moral und lutherischen Idealen. In der Oberschule war er Klassenbester, aber nach und nach veränderte sich seine Welt. Zuerst wurde die Hitlerjugend gegründet. Die anderen durften bald nicht mehr mit ihm sprechen oder spielen. Als dann ein Lehrer Vorträge über die schlechten Eigenschaften der Juden hielt, verließ er 14-jährig die Schule.

Seine Eltern schickten die Kinder nach Berlin zu Verwandten, wo sie auf ein jüdisches Gymnasium gingen. Hier kannte sie niemand, sodass sie sich unbehelligt bewegen konnten. Die Sommerferien verbrachten sie im freien Danzig. Dort gab es keine Judenhetze. Dennoch wurde die Situation immer schwieriger. Die Eltern durften nicht mehr praktizieren, sie mussten fort, aber wohin? Die Mutter kannte eine Familie in den USA, die ihnen behilflich war, ein amerikanisches Visum zu bekommen. Doch nun geschah das Unfassbare: Die Roosevelt-Regierung verhängte einen Einwanderungsstopp für deutsche Juden.

Da schaffte die Mutter es, den Söhnen Internatsplätze in England zu besorgen.

Er war 15, als sie unbehelligt dort ankamen. Die Familie wollte sich später in Amerika treffen. Im Internat war er glücklich, doch als er 16 wurde, musste er als Deutscher, er hatte noch kein J im Pass, ins Internierungslager. Danach wurde er wie ein Verbrecher mit den anderen Häftlingen in einem Schiffsrumpf in Richtung Kanada verschifft, unterwegs nach Australien umgeleitet.

Dort angekommen, wurde er mit Schwerverbrechern eingesperrt. Er beschwerte sich beim Kommandanten, der dafür sorgte, dass der 16-Jährige, der fließend Englisch sprach, zurück nach England geschickt wurde. Wegen eines U-Boot-Beschusses wurde das Schiff nach Bombay umgeleitet. In Indien fand er eine Gelegenheit, seinen Eltern zu telegrafieren, dass er noch lebte. Sie waren über Schweden nach Amerika gelangt, und er folgte ihnen dahin. Seine Erlebnisse erschienen in der Zeitung.