Preußens Hauptstadt war Potsdam nie. Aber es war die Bühne, auf der höfischer Glanz und militärischer Pomp der Hohenzollern-Dynastie zelebriert wurden vor einer Kulisse von einzigartiger Pracht und Harmonie. Weit stärker als Berlin wurde Potsdam als Verkörperung Preußens verstanden und empfand sich auch selbst so. Peter-Michael Hahn, der an der Potsdamer Universität lehrt, stellt anschaulich und detailliert dar, wie sich das Stadtbild, die Kulturlandschaft und damit der "Potsdamer Stil" vornehmlich durch den persönlichen Gestaltungswillen einzelner Herrscher entwickelten.

Aus einem "tiefen Schweigen" der historischen Quellen trat Potsdam erst im 17. Jahrhundert hervor. Der Große Kurfürst, Zeitgenosse Ludwigs XIV., wollte in der Inszenierung von Macht nicht zurückstehen und entdeckte ideale Voraussetzungen dafür in Potsdam. Friedrich Wilhelm I., der "Soldatenkönig", ließ dort seine "langen Kerls" paradieren, die ihm der russische Zar im Austausch gegen das berühmte Bernsteinzimmer "schenkte".

Friedrich der Große dirigierte zu seinem Ruhme die architektonische Gestaltung der Stadt höchstselbst, indem er sie seinem Architekten Knobelsdorff aus der Hand nahm. Sanssouci und das Neue Palais entstanden, dazu Adels- und Bürgerhäuser mit repräsentativen Fassaden und mit trostloser Wohn-Unkultur dahinter. Friedrich Wilhelm IV. pflegte die enge Verbindung von Landschaft und Architektur. Das war die große Zeit des Gartenkünstlers Peter Joseph Linné, des Meisters landschaftsgestaltender Sichtverbindungen, die für Potsdam charakteristisch sind.

In der Weimarer Republik, der die Mehrheit der Potsdamer reserviert gegenüberstand, entwickelte sich die Stadt zum "wirkungsmächtigen Gedächtnisort der Hohenzollernmonarchie". Das wollte sich Hitler zunutze machen, indem er am "Tag von Potsdam" 1933 das Bündnis zwischen dem schwarz-weiß-roten und dem braunen Deutschland demonstrierte. Aber Potsdam blieb ihm fremd, und er mied fortan die Stadt.

Darin, dass Potsdam einen zu vertreibenden erzreaktionären Geist verkörpere, waren sich Churchill und Ulbricht einig. Die Vernichtung der Altstadt durch die britische Luftwaffe wurde durch DDR-Sprengkommandos komplettiert. Die übrig gebliebenen historischen Monumente wurden von Plattenbau-Hochhäusern umstellt, die den Sieg des Sozialismus demonstrieren sollten.

Hahn fordert eine Antwort auf die markanten Zeichen sozialistischen Städtebaus, die sich nicht tilgen lassen, in Gestalt eines "unverzichtbaren, architektonisch anspruchsvollen Kristallisationspunkts". Wie der aussehen könnte, lässt er offen.