Detlef Lorenz: Künstlerspuren in Berlin vom Barock bis heute - ein Führer zu Wohn-, Wirkungs- und Gedenkstätten - Reimer Verlag, Berlin 2003 - 505 S., Abb., 39,- e

Gewiss, gewiss, eine europäische Kunstmetropole wie Rom oder Paris ist Berlin nun wirklich nie gewesen, und auch als Orte teutschen Kunstwollens fallen einem, von Wien einmal abgesehen, eher die Rhein- und die Mainlande ein, eher Dresden und München. Und doch, wer sich Detlef Lorenz anvertraut, der wird staunen. Denn dem Autor ist ein grandioses Kompendium gelungen - alphabetisch nach Straßen geordnet und durch mehrere Register rasch zu erschließen -, bei dessen Lektüre sich die ganze Stadt, von der Adalbertstraße 65 (Gustav Grohe) bis zur Zossener Straße 60 a (Ludwig Sütterlin, der Schriftmeister), in ein einziges riesiges Atelier verwandelt.

Michail Schischkin: Die russische Schweiz - ein literarisch-historischer Reiseführer - a. d. Russ. v. Franziska Stöcklin - Limmat Verlag, Zürich 2003 - 319 S., 31,50 e

Ob Iwan Turgenjew als Kind tatsächlich beinahe einmal in den Berner Bärengraben gefallen ist (wie es die biografische Legende erzählt), kann auch Michail Schischkin letztlich nicht klären. Aber dies dürfte fast die einzige Frage zum Thema sein, bei der Schischkin passen muss. Bis in feinste Details zeichnet er das Leben der Russen in der Schweiz nach, der Reisenden und der Flüchtlinge, der reichen und der armen, der klugen und der dummen. Ein ungewöhnliches Buch über die Vermischungsgeschichte Europas, das sich wie ein Familienroman liest.