Wenn es von jemandem heißt, er sei "rhetorisch geschult" – dann schwingt da ein skeptischer Unterton mit von geschickter Beeinflussung, Demagogie, schlimmstenfalls Betrug. Einerseits. Andererseits lassen wir uns von einem, der reden kann, nur zu gern faszinieren, ja wären lieber noch selbst jemand, der seinen Zuhörern mit der Kunst des gesprochenen Wortes imponiert. Wie das geht? Göran Hägg will es uns lehren. Der Stockholmer Literaturprofessor und Romanautor verspricht nicht weniger, als "die kleinen, aber wirkungsmächtigen Tricks der großen Redner aus mehr als 2500 Jahren Rhetorikgeschichte" zu enthüllen. Geht es nicht eine Nummer kleiner? Doch erstaunlich: Häggs Buch, das in Schweden auf die Bestsellerlisten fand, ist nicht nur ein praktikabler Leitfaden für jeden, der in die schlafraubende Verlegenheit kommt, vor Publikum sprechen zu müssen. Es ist außerdem ein flott zu lesender und kenntnisreich mit Beispielen versehener Ausflug in die Historie von Demosthenes über Cicero bis zu Bill Clinton. Über sein Verhältnis zu Monica Lewinsky musste der ehemalige US-Präsident in aller Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen – wenn das kein rhetorisches Problem war! Und "Slicky Willy" löste es glänzend, findet Göran Hägg. Genüsslich schlüpft der Autor nicht nur an dieser Stelle in die Rolle des Reporters und lässt seine Leser nochmals miterleben, mit welch genialem Redegeschick sich das Ehepaar Clinton aus der Affäre zog. Wobei sich spätestens hier bestätigt, was Hägg gleich eingangs verkündet hatte: "Rhetorik schert sich nicht um guten Geschmack, Wahrheit oder schöne Vorbilder… Wie alle wirklichen Wissenschaften ist die Rhetorik letztlich unmoralisch… Sie gleicht in dieser Hinsicht der Atomphysik oder der Gentechnik. Sie ist einfach nur da, und es liegt an uns, sie unter moralischen Gesichtspunkten anzuwenden."