Wenn Brendan Dooley den Seminarraum 3 in der East Hall betritt, wähnt man sich in einer anderen Welt. Nein, nicht sogleich im Mittelalter, über das der ehemalige Harvard-Professor gleich dozieren wird, sondern im Antikriegsfilm Good Morning, Vietnam, in dem Robin Williams als Militär-DJ Vietnamesen Englisch beibringt. Wobei Dooley, was die Emphase angeht, Williams noch übertrifft. Brendan Dooley tanzt vor seinen Studenten, dreht eine Pirouette, holt weit mit dem rechten Arm aus, bohrt mit dem Zeigefinger seine erste Pointe förmlich in die jungen Leute hinein: "The deeds of the murderer of Charles the Good were likened to the deeds of a dog!" Wie Hunde sind sie, die Mörder des guten Karl!

Good morning, Bremen-Vegesack, good morning, world!

Wie bitte, wo sind wir?

Wir befinden uns an der International University Bremen, der jüngsten Universität in Deutschland. Sie wurde vor zwei Jahren eröffnet. Sind die ehrgeizigen Pläne, eine Privatuniversität mit umfassendem akademischen Angebot und Exzellenz in Forschung und Ausbildung Wirklichkeit geworden? Steht sie finanziell auf solidem Fundament? Die Universität wurde 1999 in einer mutigen politischen Willenserklärung durch das Land Bremen staatlich anerkannt – und auch finanziell unterstützt, indes nicht vom Senator für Bildung und Wissenschaft, sondern vom Senator für Wirtschaft und Häfen, der das Geld in einer Forschungs- und Lehranstalt besser investiert sah als in der Sanierung einer weiteren maroden Werft.

Sechzig Professoren wurden berufen, alle nur für fünf Jahre

Der wirklich Entschiedene war indes Bürgermeister Henning Scherf (SPD), vormals Bildungssenator und an der Gründung der lange Zeit als "rote Kaderschmiede" verrufenen Uni Bremen beteiligt. Er legitimierte die Spende von 230 Millionen Mark aus der Staatskasse kurz vor der Eröffnung mit den Worten: "So verhindert man, dass die guten Leute in die USA gehen."

Spiritus Rector der IUB (englisch ausgesprochen: Ei Ju Bi – Englisch ist die "Amtssprache" hier) ist der Astrophysiker Reimar Lüst, lange Präsident der Max-Planck-Gesellschaft und Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Er hatte sich immer schon eine Campus-Universität nach amerikanischem Vorbild gewünscht. Nun leitet er den Aufsichtsrat der Bremer Vorzeige-Uni. Fritz Schaumann, ehemals Staatssekretär des Bundesbildungsministeriums, begann 1998 mit der Erfüllung seines Traums als Direktor der Planungsgesellschaft für die IUB und führt nun als Präsident die Geschäfte der einzigen deutschen Privatuniversität mit einem umfassenden akademischen Angebot.

Zwei Dekane für die beiden Fakultäten, Gerhard Haerendel, früher Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (für die naturwissenschaftliche Fakultät der IUB), und Max Kaase, langjähriger Politikwissenschaftler und empirischer Sozialforscher in Mannheim (für die Geisteswissenschaften), beide schon Mittsechziger, beriefen binnen kurzer Zeit fast sechzig Professoren, viele aus dem Ausland, alle für nur fünf Jahre. Kaase sieht voraus, dass bald einige sehr gute Professoren auf Dauer an die IUB gebunden werden müssen, dass also lebenslange Verträge als Gegenstück zu den C4-Stellen der öffentlichen Hochschulen geschlossen werden müssen. Aber vorerst ist er zufrieden. "Die vollkommene Durchadministrierung des Hochschulwesens", sagt er, "entmutigt dynamische junge Leute und fördert die Engstirnigkeit."