Fachzeitschriften über Wein lese ich nicht. Und es ist an der Zeit, dass ich erkläre, warum: Sie machen mich wahnsinnig. Sie sind so voller Berichte über schöne Weine, dass mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Dann ärgere ich mich, dass ich nicht überall hinfahren kann, wo die wachsen, und dass ich, wenn ich hinführe, in ein Gutskonzert hineinplatzte und die Bach- und Mozartfreunde nur störte. Wenn ich Pech hätte, geriete ich in ein Journalistentreffen, bei dem fünfzig Kollegen ihre Nasen in die edelsten Rieslinge stecken, was dann im nächsten Weinmagazin mundwässernd zu lesen wäre.

Da aber in diesen Magazinen unleugbar viele und interessante Informationen zu finden sind, werde ich meinen Lesern ab und zu einen Überblick geben über die Neuigkeiten in der Welt der Weine.

Zum Beispiel in der Weinwelt . Ausgabe 5/03 beginnt mit der unvermeidlichen Zubehör-Boutique, wo der Weinfreund informiert wird, was er für 4,50 bis 196 Euro an überflüssigem Zeug kaufen kann. Dann folgt das übliche Parker-Bashing. Der amerikanische Star-Tester hat in seinem neuesten Wein-Guide wieder einmal keinen Gefallen an deutschen Weinen gefunden. "Parker macht den Rumsfeld", schreibt die Redaktion und zitiert: "Trockene Weine tendieren dazu, langweilig und dünn zu sein." Und: "Man produziert in Deutschland auch Schaumweine (Sekte), doch sie sollten überzeugten Masochisten vorbehalten bleiben, weil sie ziemlich schauderhafte Machwerke … sind." Und noch: "Die deutsche Pinot-Noir-Traube bringt leider oft einen grotesken und ziemlich scheußlichen Wein hervor." Ob der auch schon vor dem Irak-Krieg so scheußlich war?

Danach werden sechs Supermarktweine empfohlen, ein weißer und fünf rote, alle unter fünf Euro und keiner aus Deutschland. Es folgen sieben Seiten über Winzer mit den größten Produktionen, darunter ein Deutscher (der Prinz von Baden). Danach die Mammutverkostung von 800 deutschen Rieslingen des Jahrgangs 2002. Natürlich findet die Redaktion das Ergebnis wunderbar. Gewinner insgesamt sind die Weine aus der Pfalz, die bei den Liter-Rieslingen die ersten 10 Plätze belegen. (Die Redaktion sitzt in Neustadt/Pfalz.) Auch den Rieslingen von der Nahe und aus Rheinhessen gilt das Wohlwollen der Weinwelt, eine Beurteilung, der ich mich anschließe, auch wenn ich Spitzenweingüter wie Müller-Catoir, Rebholz, Bürklin-Wolf, Schloßgut Diel und Dönnhoff im Gedränge der über 500 Namen nicht fand. Im hinteren Teil des Heftes werden sie alle noch einmal in Tabellenform vorgestellt.

Italien im Dilemma betitelt der Gastkolumnist Hermann Pilz seinen Text über die vagen bis nicht vorhandenen Gewissheiten über den italienischen Weinbau. Danach beginnen Berichte aus der Wohlfühlwelt der Weintrinker, hier sind es Dão, die Marken und Zypern. Damit hat der Leser weitere 22 Seiten geschafft. Georg Prinz zur Lippe knattert auf seinem Motorrad über vier weitere Seiten durch sein Familienschloss in Sachsen. Der Herr ist "ohne Wenn und Aber Winzer".

Auf eine Klage Michael Hornickels über alkoholstarke Weine folgt der kulinarische Teil. Zu langweiligen Couscous-Gerichten werden Weine empfohlen, die man ebenso ungern zum Rührei trinken könnte. Dann wird der deutsche Silvaner gelobt, bei welcher Gelegenheit unvermeidlich Franken ins Spiel kommt. Womit wir uns endlich wieder auf der vertrauten Weinstraße wähnen. Doch da schieben uns die Brüder Obauer aus dem Salzburger Land ein hübsches Menü unter die Augen, dessen Hauptspeise aus Putenfleisch besteht. Weil Sommer war, folgt ein nichtsnutziger Beitrag übers Grillen. Sodann, weil Weihnachten vor der Tür steht, eine Edelschnulze über Zigarren.

Ziemlich nebenbei erfährt der Leser noch, dass das Restaurant Buerehiesel eine von Straßburgs ersten Adressen sei. Eine von wie vielen, liebe Kollegen? In Straßburg gibt es kein besseres Restaurant. Im nächsten Heft wird endlich mal wieder ein Artikel über die Toskana erscheinen und, um die Originalität auf die Spitze zu treiben, ein Text über Château Petrus und Konsorten.