Sieht man wirklich immer das, was man sieht? Beim Blättern in diesem kleinen dicken Buch, das jetzt, fünf Jahre nach dem Tode seines Autors, erschienen ist, weiß man ziemlich bald, wie oft man das versäumt: genau hinzugucken, auf die unauffälligen Alltagssachen Acht zu geben, plötzlich ihre überraschenden grafischen, plastischen, dekorativen Reize, ihren Schattenwurf zu bemerken und sich beim Betrachten ganz nebenbei in kleine daseinsphilosophische Etüden zu verlieren. Diesen um 1930 entstandenen Aufnahmen des Malers, Grafikers, Fotografen und Werbekünstlers Anton Stankowski (1906 bis 1998) haftet überhaupt nichts Sensationelles an - und doch wird man die Selbstverständlichkeit der Sujets als aufregend empfinden und sich durch die Seiten treiben lassen - darauf Brillen, Vogelscheuchen, Bier, Flaschen, Knäuel, Kerzen, Korken und Kragen. Es ist eine Art von Entdeckungsreise, die, wie der Herausgeber Karl Duschek schreibt, "eine wichtige Säule für die grafischen Entwürfe" seines ehemaligen Kompagnons gewesen sei - und ganz nebenbei ein poetisches Fluidum erzeugen.

Stankowski Photos

Hrsg. von Karl Duschek - Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2003 - 384 S., Abb., 24,- e