Es wird ein Anlauf mit Hindernissen. Wenn Friedrich Merz am kommenden Montag dem CDU-Bundesvorstand seine "Leitsätze" für ein radikal vereinfachtes Steuersystem präsentiert, wird ein heikler Punkt offen bleiben: die soziale Flankierung der umstrittenen Kopfpauschalen, die nach den Vorschlägen der Herzog-Kommission die bisherigen Krankenkassenbeiträge ablösen sollen. Wer wie viel zahlen soll, um aus dem allgemeinen Steuertopf einen Ausgleich für Geringverdiener zu finanzieren, ist nach wie vor ungeklärt. Es geht immerhin um eine Summe von 27 Milliarden Euro im Jahr.

Von diesem Konflikt abgesehen, verheißt das Konzept des stellvertretenden Fraktionschefs und Steuerexperten der Union eine durchgreifende Reform. Neunzig Prozent der Steuerpflichtigen, verspricht Merz, müssten am Jahresende keine Steuererklärung mehr abgeben. Es gibt kaum noch Ausnahmen bei der Besteuerung der Einkommen, dafür aber deutlich niedrigere Steuersätze.

Die Bürger müssen auf die meisten Wohltaten verzichten, die bisher den Zugriff des Fiskus linderten. Wenn Merz’ Vorschlag verwirklicht wird, gibt es keine Pendlerpauschale mehr (deren Kürzung durch die rot-grüne Koalition die Union derzeit noch entschieden ablehnt), keinen Sparerfreibetrag und keine Steuerfreiheit von Lohnzuschlägen für Nacht- und Sonntagsarbeit. Auch Gewinne beim Verkauf von Immobilien und Wertpapieren sollen der Steuer unterworfen werden.

In einem Punkt jedoch irrt der CDU-Steuermann. Das Streichen der Arbeitnehmerpauschale wird Steuerzahlern und Finanzbeamten das Leben nicht einfacher machen. Denn dann lohnt sich wieder das Sammeln von Belegen für jeden Bleistift und Arbeitskittel. Am Prinzip, dass Werbungskosten – beruflich notwendige Aufwendungen – abzugsfähig sind, will auch Merz nicht rütteln.

"Jedes Markteinkommen", gleich aus welcher Quelle, will Merz besteuern. Nur drei Ausnahmen will er gelten lassen. Bei der Altersvorsorge folgt er – wie die Regierung – den Vorgaben des Verfassungsgerichts: Die Beiträge sind künftig steuerfrei, dafür werden die Renten besteuert. Außerdem sollen Spenden an anerkannt gemeinnützige Organisationen abzugsfähig bleiben. Darüber hinaus werden nur noch Familien steuerlich berücksichtigt.

Für jedes Familienmitglied plant Merz einen Grundfreibetrag von 8000 Euro, die bisherigen Kinderfreibeträge entfallen. Im Gegensatz zu CDU-Sozialpolitikern wie Karl-Josef Laumann ist Merz der Ansicht, dass damit auch ein hinreichender Ausgleich für die Krankenkassen-Kopfpauschalen geschaffen wird. Bis zum CDU-Parteitag Anfang Dezember soll der Streit geklärt werden.

Beim Steuertarif bleibt Merz hinter den Vorstellungen seines Ideengebers, des Exverfassungsrichters Paul Kirchhof, zurück, der einen Einheitssatz von 25 Prozent vorgeschlagen hat. Stattdessen setzt Merz auf einen Dreistufentarif von 12, 24 und 36 Prozent. "Die Menschen in Deutschland haben eben das Gefühl", erklärt der CDU-Politiker, es sei nicht gerecht, "wenn nicht die Reichen stärker besteuert werden".

Fraglich aber, ob ein derart starkes Absenken des Steuersatzes auf Spitzeneinkommen in der Bevölkerung akzeptiert wird, wenn gleichzeitig Rentnern und Arbeitslosen der Gürtel enger geschnallt wird. Doch Merz ist sich sicher: "Gerecht wird unser Steuersystem nur dadurch, dass es einfach wird."