Seinen Nachruf im Feuilleton der ZEIT schrieb im November 1977 Joseph Beuys: Arthur Köpcke, der Fluxus-Künstler aus Hamburg, war mit 49 Jahren in Kopenhagen gestorben. In diesem Jahr, es wäre der 75. Geburtstag von "Addi" Köpcke gewesen, erinnert die Hamburger Kunsthalle mit der Ausstellung Art Is Work Is Art (bis zum 30. November, Katalog 18,- e) an diesen Aufrührer, der nicht mit Steinen warf, aber ein Puderbild machte, das der Betrachter schütteln sollte - "Fill with your own imagination". Seine Bilder nannte Köpcke action pieces, weil sich hier, oft auch im Zusammenhang mit einer Fluxus-Aktion, Reste der Realität mit gezeichneten oder gemalten Dingen und Sprüchen überlagerten - oder "Rebus-Bilder", ein Patchwork aus Bildausschnitten, die man in Wörter und Sätze rückübersetzen konnte, Köpcke persifliert hier eine in den sechziger Jahren verbreitete Rebus-Sucht - oder "Rollenbilder", ähnlich denen, die früher beim Geografie-Unterricht an der Wand hingen, von Köpcke wurde die Fläche zwischen den Stöcken mit verwirrenden Fragen, Gleichungen, Rechnungen und Bildern bestückt. Die Welt ist ein Rebus, eine Partitur. Das war die Nachricht, die Köpcke, der im verbrannten Nachkriegs-Hamburg aufwuchs, früh seine Mutter verlor, in einem Delikatessgeschäft, bei der Friedhofsverwaltung und der Bahnpost arbeitete und 1953 mit seiner späteren Frau Tut Aase nach Kopenhagen zog, beharrlich durch das Megafon seiner Bilder und Schriften verbreitete. Er war ein Künstler-Künstler, typisch Fluxus, wo die Freunde unterwegs waren und die Gattungen. Kein Zwang, nirgends. Aber die aufmüpfige Melancholie des Moralisten. Schade, dass der Katalog kein Porträt zeigt. So sanft zweifelnd sah noch keiner unter der Elbsegler-Mütze hervor. Die Quersumme seiner Arbeit steht auf einem Bild von 1972: "People ask: Why? I answer: Why not?!?!?!"