Sie haben einen der unpopulärsten Jobs im Lande: die Beamten der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation. Sie kontrollieren den Wettbewerb. Vergangene Woche holten sie zu einem richtigen Coup aus.

Was zunächst nach Bürokratie pur klingt, ist der tatkräftige Versuch der Behörde, im Interesse aller Verbraucher den wachsenden Missbrauch von 0190er Nummern einzudämmen. Auf einen Schlag wurde 400000 Dialern die Registrierung entzogen. Dabei geht es nicht ums Telefonieren, sondern ums Surfen im Internet. Nur dort nämlich kommen die Dialer zum Zuge. Das sind kleine Programme, die man sich aus dem Netz herunterladen kann. Sie machen es möglich, für Informations- und Unterhaltungsangebote zu bezahlen; ganz bequem über die Telefonrechnung. Denn sie arbeiten wie Gebührenzähler mit unterschiedlichen Tarifen; gängig sind 1,86 Euro pro Minute. Manchmal aber wird auch – zeitunabhäng – eine einzige Summe fällig. Deren Höhe kann der Anbieter selbst bestimmen.

Vorzugsweise sind es Spieleanbieter oder Erotikdienste, die so ihr Geld – in der Regel über die Deutsche Telekom – eintreiben lassen. Zur jüngsten Zielgruppe zählen Schüler und Studenten, die sich Klausuren, Referate sowie Hausaufgaben im Netz besorgen können – gegen entsprechende Bezahlung, versteht sich.

Man mag das alles für verwerflich halten, dennoch ist es grundsätzlich legal. So nutzen beispielsweise auch Verbraucherschützer diese Technik, um ihre Ratschläge online zu vermarkten. Schließlich sind Dialer für Millionen von Surfern ein komfortabler Weg, per Mausklick Rechnungen zu begleichen. Das Problem nur: Zugleich bieten sie die Aussicht auf schnell ergaunertes Geld.

Skrupellose Abzocker verstehen es, die Nutzer zum unbedachten Mausklick zu animieren oder arglistig zu täuschen. Manche programmieren die Dialer nämlich so, dass sie bei jeder neuen Einwahl ins Netz statt der günstigen Standardverbindung eine teure Nummer aktivieren, ohne dass der Benutzer es merkt. Der schreckt erst bei der nächsten Telefonrechnung auf. Oft ist die Software im Rechner dann noch so geschickt platziert, dass man sie weder findet, geschweige denn löschen kann. Ganz perfide: Manche unerlaubten Dialer zerstören sich nach getaner Arbeit auch selbst, damit keine Spuren nachweisbar sind.

Um die Spreu vom Weizen trennen zu können, müssen die Dialer seit Mitte August bei der Regulierungsbehörde angemeldet werden. Insgesamt waren es laut Behörde bereits fast 600000. Ein Gütesiegel vergeben deren Beamte allerdings nicht. "Es ist gar nicht möglich, alle Dialer schon bei deren Registrierung auf die Einhaltung aller Auflagen zu untersuchen", sagt Behördensprecher Rudolf Boll. Erst auf Verdacht und wenn Beschwerden eingehen, prüft das Amt und interveniert – so wie jetzt erstmals in der vergangenen Woche.

Hinter den geächteten 400000 Dialern steckt ein einziges Unternehmen: Mainpean. Die Berliner Firma ist mit ihren nur 35 Mitarbeitern einer der ganz großen Dialer-Anbieter im Lande, die mit diesen Wählprogrammen ihr Geld verdienen. Sie setzt sie nicht nur für eigene Dienste ein, sondern vermarktet sie auch an andere Anbieter weiter. Jede neue Version muss wieder neu registriert werden. Das erklärt die hohe Zahl an Dialern, die womöglich aber auch als Vorrat bei der Behörde angemeldet wurden.

Mainpean wehrt sich vehement gegen den Anschein, zweifelhafte Geschäfte gemacht zu haben. Man distanziere sich "nach wie vor eindeutig von illegalen Methoden der Zahlungsabwicklung im Internet", so Unternehmenssprecher Kai Thiemann. Man sei sich keiner Schuld bewusst: "Wir sind der Meinung, stets im Sinne des Gesetzes gehandelt zu haben."