Die Piazza di Porta Capena ist hässlich. Autoabgase verpesten die Luft, der Lärm ist ohrenbetäubend, nichts lädt zum Verweilen ein. Seit Jahrzehnten versucht ausgerechnet hier eines der schönsten und bedeutendsten Denkmäler abessinischer Kultur der Trostlosigkeit zu trotzen. Ohne Erfolg. Der Schmutz Roms hat den Obelisken von Axum verdreckt, und seit ein paar Tagen ist von seiner Pracht, seinen schmucken Verzierungen, fast gar nichts mehr zu sehen. Arbeiter haben das schlanke Denkmal in ein Stahlkorsett gezwängt. Bald wird ein Kranwagen kommen. Er bringt die rußige Stele zum Flughafen. In einer Antonow aus Russland, der größten Transportmaschine der Welt, tritt das Denkmal die Heimreise an. Die Äthiopier haben das Loch, in dem sie den Obelisken platzieren wollen, bereits ausgehoben. Das Ende einer langen, schmerzhaften Geschichte steht bevor. Sie hat vor siebzig Jahren begonnen.

Benito Mussolini war damals im Begriff, das römische Imperium neu zu begründen. Libyen genügte ihm nicht mehr und auch nicht die Länder Somalia und Eritrea, die Italien einige Jahre vorher unterworfen hatte. Der Duce wollte Abessinien, das jahrtausendealte Reich. Der Obelisk von Axum war ein zentrales Symbol des Kaisertums. Das wusste Mussolini, ein Mann mit großem Sinn für politische Rituale.

Der Obelisk war zwischen 100 und 300 nach Christus als Teil eines Ensembles in Axum errichtet worden. Damals war die Stadt ein Zentrum des Handels und der Religion. Axum war die Hauptstadt der Prinzessin von Saba. Das Alte Testament, der Talmud und der Koran berichten über ihre Reise nach Israel. Sie hatte von der legendären Weisheit Salomons gehört und wollte ihn mit verschiedenen Rätselaufgaben testen. Ungefähr um das Jahr 950 vor Christus reiste sie mit 700 goldbeladenen Kamelen nach Jerusalem. Salomon und Saba verstanden sich gut. Sie zeugten Menelik, den "Sohn des weisen Mannes".

Der Obeliskenpark ist eine Art abessinisches Stonehenge, an dem sich der Mythos der Prinzessin von Saba in konkrete politische Macht umwandelte. Die Kaiser Äthiopiens mussten bei ihrer Krönung vor dem Obelisken niederknien. Erst dieser Akt verlieh ihnen die Legitimität zur absoluten Herrschaft. Ein derart machtvolles Insigne gefiel Italiens Faschisten.

1936, nach siebenmonatigem Feldzug, marschierten ihre Truppen in Adis Abeba ein. Der Sieg war unerwartet schwer zu erringen gewesen. Die Äthiopier, waffentechnisch weit unterlegen, hatten sich erfolgreich zur Wehr gesetzt. Mussolini, um seinen Ruf als unschlagbarer Feldherr besorgt, erlaubte den Offizieren ausdrücklich den Einsatz chemischer Waffen. "Sie warfen an diesem Morgen keine Bomben, sondern Behälter", erinnerte sich später Ras Immarú, Führer des abessinischen Widerstandes. "Die Behälter zerbrachen, kaum dass sie auf dem Boden oder im Fluss aufschlugen, und verbreiteten eine farblose Substanz. Bevor ich begreifen konnte, was vor sich ging, waren Hunderte meiner Männer von der geheimnisvollen Flüssigkeit getroffen. Sie schrien vor Schmerz, während sich ihre nackten Füße, ihre Hände und Gesichter mit Blasen bedeckten." Angesichts dieses Schreckens brach der letzte Widerstand zusammen.

Mussolini ließ den Obelisken von Axum nach Rom bringen, zum Beweis für seine Eroberung. Es war eine Art Gründungsakt des faschistischen "Imperium Romanum". Der Transport des 24 Meter hohen und 150 Tonnen schweren Kolosses war schwierig. Die Ingenieure entschlossen sich, den Obelisken in drei Teile zu zerschneiden. Wochenlang ging es über Land, dann via Schiff nach Neapel und wieder über Land nach Rom zur Piazza di Porta Capena. Ein pharaonisches Unternehmen, ganz nach dem Geschmack Mussolinis.

Italiens Faschisten wählten den neuen Standort mit Bedacht, vor dem Ministerium der Kolonien. Das Gebäude ist heute Sitz der Welternährungsorganisation FAO. Die Ingenieure trieben ein Loch durch die zersägten Teile des Monuments und spießten sie mit einer Eisenstange auf – wie mit einem Fleischspieß. Diese Pfählung feierte die Regierung als unerhörte, technische Meisterleistung.

1947 schloss Italien mit dem befreiten Äthiopien widerwillig einen Friedensvertrag. Darin wurde die Rückgabe des Obelisken festgelegt. "Natürlich hat die Mehrheit der Äthiopier drängendere Probleme", sagt der Journalist Toni Fontana, der die Sache jahrelang publizistisch begleitet hat, "aber für die Elite des Landes ist der Obelisk ein zentraler Bestandteil der Identität ihres Staates."