Mit welchen Problemen kommen junge Frauen in Ihre Sprechstunde?

Viele Fragen betreffen – neben der Pille, die sie sich verschreiben lassen möchten – das Aussehen. Häufig finden Mädchen ihre Brüste zu klein und fragen nach Hormontabletten. Das Körperbewusstsein ist deutlich gestiegen: Mädchen möchten ihr Aussehen verändern, das betrifft Akne und Behaarung, viele finden sich zu klein oder zu dick. Auch die Pille soll natürlich auf keinen Fall dick machen.

Nach neueren Studien sind junge Leute in der Bundesrepublik unaufgeklärter, als wir gemeinhin annehmen. Können Sie das bestätigen?

Für den Großteil meiner ausländischen Patientinnen trifft das zu. Ich mache die erschütternde Erfahrung, dass viele türkische Mädchen überhaupt nicht aufgeklärt sind. Selbst türkischsprachige Informationsbroschüren in meiner Praxis werden kaum gelesen. Eine türkische Bravo fehlt gänzlich. Deutsche Mädchen sind schon besser aufgeklärt. Sie haben die Jugendzeitschriften, pflegen das offene Reden untereinander, das wissende Reden.

Was halten Sie von speziellen Teenager-Sprechstunden, wie es sie heute gibt?

Für türkische Mädchen bietet sich das nicht an. Es darf eigentlich niemand wissen, dass sie kommen. Wer vor der Ehe zum Frauenarzt geht, so argwöhnen traditionell denkende Eltern, hat eine unerlaubte Beziehung. Manchmal kommen sogar türkische Mütter mit ihrer Tochter, um deren Jungfräulichkeit bestätigen zu lassen – nur, weil das Mädchen auf der Straße allein mit einem Jungen gesehen wurde.

Müssen Sie mit türkischen Mädchen in der Sprechstunde anders umgehen als mit deutschen?