Es geht nicht darum, das Leiden der deutschen Opfer zu ignorieren oder zu schmälern. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich manche still und heimlich freuen, dass endlich nicht mehr die Deutschen, sondern die anderen Nationen am Pranger stehen.

Schließlich gehen mir bei der Diskussion stets die Worte Richard von Weizsäckers in seiner hervorragenden Rede zur 40-jährigen Wiederkehr des Kriegsendes am 8. Mai 1985 durch den Kopf. Besser kann man es einfach nicht ausdrücken:

"Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen."

Kirsten Hardt, Swisttal

Mit der Diskussion um den Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg erreicht die fast 60-jährige Kontroverse um die Schuld Deutschlands und des deutschen Volks eine weitere Station. Sie ist nötig und unabdingbar, geht es doch um das "Verstehen" einer Vergangenheit, die nicht vergehen kann. Denn dazu haben deutsche Menschen zu viel Tod, Leid und Zerstörung über die Welt gebracht.

Sie bleibt jedoch unsinnig, solange sie in "volklichen" Kategorien daherkommt. Täter und Opfer sind Individuen gewesen. "Das deutsche Volk als Täter oder Opfer" ist genauso unsinnig wie "die Blonden oder Rechtshänder als Täter oder Opfer".

Der entindividualisierende Gebrauch von Kollektiva geht nachträglich noch der NS-Ideologie auf den Leim.