Sie ist das Form gewordene Versprechen von Freiheit, Ruhm, Reichtum und Selbstbestimmung: die elektrische Gitarre, seit mehr als einem halben Jahrhundert das Symbol schlechthin in der an Symbolen nicht gerade armen Geschichte der populären Musik. Wer sie trug, wuchs magisch über sich selbst hinaus, überwand Klassenschranken und konnte eine an Zauberei grenzende Macht über das andere Geschlecht erlangen. Dass sie Moden wie Stile überdauert hat und selbst das Techno-Jahrzehnt ihrem Status als Wunschmaschine nichts anhaben konnte, lässt sich jetzt in der Kunsthalle Wien studieren. Go Johnny Go! - Die E-Gitarre. Kunst & Mythos (bis zum 7. März 2004, Katalog 22,- e) versammelt, teils historisch, teils thematisch geordnet, Dokumente und Paraphernalia zum Thema. Die Ausstellungsstücke erzählen eine Geschichte der De- und Remystifizierungen, der Beschwörungen wie der Blasphemien und der versuchten Bilderstürme. Wenn Steven Shearer im Namen der bildenden Kunst eine Galerie der genialen Dilettanten an die Wand collagiert oder Christian Marclay in einem Video das Objekt seiner Begierde minutenlang wie ein Folteropfer traktiert, nagt die Reflexion an der Unmittelbarkeit des Ausdrucks. Und wenn Rainer Fetting mit expressiver Geste einen Gitarristen auf Leinwand pinselt, ist der Eindruck zwar bunt, aber nicht laut. Aufklären wollen die Ausstellungsmacher mit solchen artistischen Brechungen, entzaubern, "dechiffrieren" - und können doch nicht verhindern, dass genau das Gegenteil geschieht. Malte sich gerade noch amüsiertes Befremden auf das Gesicht der Besucher, so wandelt sich die Miene spätestens bei der Wand mit den achtzig Gitarrenmodellen gegen Ende wieder in Richtung Verklärung.

Gibson, Fender, Rickenbaker - im Namen solcher Meistermarken triumphiert der Mythos.