DIE ZEIT: Die Verhaftung des russischen Erdöl-Magnaten Chodorkowskij – ist das bloß ein Unfall auf dem Weg in den Rechtsstaat oder schon ein Richtungswechsel zurück in den Polizeistaat?

Wladimir Ryschkow: Putins Ziel mag ja ein ehrliches sein, also die Beschneidung der politischen Macht der Oligarchen. Die Methoden aber sind nicht die eines Rechtsstaates.

ZEIT: Warum nicht?

Ryschkow: Einmal wegen der schmutzigen Methoden der Bundesanwaltschaft, zum zweiten, weil ich kein Vertrauen in die Unabhängigkeit der Gerichte habe. Noch nie haben die Gerichte gegen die Staatsanwälte entschieden.

ZEIT: Wieso der Angriff auf den Yukos-Konzern?

Ryschkow: Die anderen Oligarchen haben den Kreml nicht kritisiert, Chodorkowskij aber hat das getan. Im Frühjahr ist Putin zur Gegenattacke übergegangen, indem er Chodorkowskij der Korruption bezichtigte. Der zweite Grund sind die Verkaufsverhandlungen mit Exxon-Mobil; es ging um ein Paket von 40 Prozent der Aktien. In diesem Fall hätte Yukos sich den Pressionen des Staates entziehen können. Denn heute kann der Staat, wie im Fall von Yukos, die Besitzer verhaften und Aktien sistieren. Wenn aber ausländisches Kapital, zumal amerikanisches, involviert ist, sind dem Staat die Hände gebunden.

ZEIT: Steckt eine politische Strategie dahinter?