Und noch einmal: das Kopftuch. Deutschland gegen Fereshda Ludin, das christliche Abendland gegen die muslimische Referendarin. Das Ende dieses Kampfes ist offen, aber ein Zwischenergebnis steht fest: Das christliche Abendland macht darin keine gute Figur.

Fünf Jahre lang hat Deutschland ohne jede Rechtsgrundlage Frau Ludin eine Anstellung als Lehrerin verweigert. Als das Bundesverfassungsgericht dies im Sommer endlich feststellte, formulierten Vertreter des Landes Baden-Württemberg eilig das Gesetz, nach dem sie die unliebsame Muslimin längst verurteilt hatten. Jedes religiöse Symbol im Klassenzimmer sei des Teufels, hatte das Land geltend gemacht, als es noch darum ging, liberale Verfassungsrichter zu beeindrucken. Keine Religion dürfe bevorzugt werden, das hatte das Bundesverfassungsgericht in wünschenswerter Klarheit in sein Urteil geschrieben. Nonnenschleier im Klassenzimmer ja, Kopftuch nein - so verlangt es nun auf einmal das Land Baden-Württemberg.

Die Chuzpe, einen solchen Gesetzentwurf auch nur einzubringen, ist die eine Sache. Das politische Signal, das damit einhergeht, ist die andere. Denn Fereshda Ludin ist keine islamistische Missionarin, sondern eine verfassungstreue Bundesbürgerin, das haben ihr inzwischen etliche Gerichte bescheinigt. Dennoch soll sie als Lehrerin nicht dürfen, was in ihrem Beruf jede Nonne darf: ein (vergleichsweise sogar unauffälliges) Zeichen ihrer religiösen Zugehörigkeit am Körper tragen.

Muslime, so muss man die Botschaft wohl verstehen, haben in Baden-Württemberg weniger Rechte als Christen.