Ein Buch, aus dem man etwas lernen kann - das steht schon mal über einer Rubrik, wenn die großen Zeitungen Kinderbücher zum Verschenken empfehlen. Könnte man aus diesem Buch etwas lernen? Wie man rauschende Feste feiert, beispielsweise. Die Lektion ist launig und ausführlich und wird durch launige und ausführliche Buntstiftzeichnungen ergänzt.

Es geht um Eichhorns Geburtstag. Wichtigster Teil der Präliminarien sind a) das Abfassen einer unbegrenzten Menge Einladungen (die allererste erhält selbstverständlich Ameise, der schon die meisten Briefe aus dem ersten Band gewidmet waren. Aber das ist eine andere Geschichte) und b) der umgehende Einfluss eines Stroms von begeisterten Zusagen. Worauf, nächster Punkt, eine gigantische Geschenkbastelei einsetzt: "Geschenke, die piepsten, warm waren oder im Gegenteil sehr kalt ... schwere Geschenke, die man zu zehnt hochheben musste, und leichte, die man gut festhalten musste, damit sie nicht von einem Windhauch weggeblasen wurden ... Geschenke aus Honig und Geschenke aus Luft ... Geschenke, die man im Winter, wenn es sehr kalt war, auf den Kopf und den Schwanz setzen konnte." Man möchte unablässig zitieren. Beispielsweise das Catering des Gastgebers Eichhorn: "Eine Grastorte für ein Nilpferd, eine kleine rote Torte für die Mücke und einen Sandkuchen für das Dromedar ... schwere salzige Torten für den Hai und den Tintenfisch und ..." - nein, Schluss, selber lesen.

Jedenfalls wird nicht bloß sehr aufwändig, sondern vor allem sehr persönlich gebacken. Denn das Eichhorn ist einer, der ganz und gar Seele ist, der letzte Altruist. Kein Wunder, dass ihn später düstere Gedanken quälen, das typische Tief zwischen zwischen zwei Hochs. Auf der Einladung hat "übermorgen" gestanden. Vielleicht denken sie ja, "dass übermorgen immer übermorgen ist." Und so gäbe es unter Umständen nie einen Geburtstag.

Sorgen, die sich nicht bewahrheiten, das Fest sättigt Mägen und Sinne, jeder kommt auf seine Kosten. So übergreifend ist die Festfreude, dass "einige Tiere sogar beim Tanzen weinen mussten, ohne zu wissen, warum, denn sie waren sehr, sehr zufrieden". Dann ist der Geburtstag vorbei. Alle gehen heim. Zu allerletzt die Ameise. šberhaupt kein Grund für das Eichhorn, nach einem so rundherum gelungenen Fest traurig zu sein. Doch nicht mal die Berge der Geschenke mag er auspacken. "Da hörte er unten in der Tiefe eine Stimme der Ameise. ,Eichhorn!'" Und erst jetzt ist alles gut. Denn: Vor allem ist dies ein Buch, aus dem man Zärtlichkeit lernen kann. Oder doch vorgeführt bekommt, was das ist.

Schon der erste Band war von so schmetterlingshafter, witziger Zärtlichkeit, so leicht, dass kaum jemand sich die Mühe des Rezensierens machte, weil ja der dicke fette Plot mit dem Schild um den Hals fehlte. Verlag und Illustrator/in haben gewechselt, doch immer noch ist der Zauber da. Auch der zweite Band ist genau das rechte Geschenk, um mit Kindern auf leise Art heiter zu sein. Und er eignet sich ebenso als Geschenk für die gerade kennen gelernte Liebste. Wenn sie das Buch nicht mag, ist sie nicht die Richtige.

Toon Tellegen/Kitty Crowther (Ill.): Eichhorn und die Ameise feiern Geburtstag