Leipzig

Jetzt aber, tschingtrara, hebt sich das weiße Seidentuch. Es entbirgt, was jeder schon seit Tagen kennt: Leipzigs Olympia-Symbol. Diese Flamme, ruft entflammt der Bürgermeister Tiefensee, soll Deutschland von unserer Bewerbung überzeugen. Dieses Logo wird die Bevölkerung zusammenführen, wenn man es ans Auto klebt, als Sticker trägt oder in der Zeitung sieht. Und nun gehen wir hinaus auf den Querbahnsteig dieses wunderbaren Bahnhofs!

Volk drängelt, Kinder präsentieren Luftballons. Schubsende Seniorinnen begehren das Autogramm des beliebten Manns. Auf Gleis 11 naht, aus Dresden, der ICE Pirna, dem es obliegt, Leipzigs Feuerzeichen in die Welt zu fahren, bis Saarbrücken. Leider prangt es schon am Bug. Eilends wird die Flamme überklebt, auf dass – Kamera läuft! – Tiefensee sie abermals enthüllen kann. Gewiss, heute umfängt ihn nicht ganz der Jubel des 12. April, als seine Stadt den nationalen Wettbewerb gewann. Wie auch, nach all den Pannen, Affären, Personal-Demontagen. Herr Tiefensee, der Stasi-Fall Jens Fuge…

Eins habe ich immer betont, sagt, nach dem Rummel, Wolfgang Tiefensee. Wer Leipzig wählt, wählt die Vergangenheit dieses Landstrichs und seiner Bürger mit: marode Wirtschaft, indoktrinierter Sport, Staatssicherheit. Ich habe aber lernen müssen, dass wir die nötige differenzierte Diskussion über Menschen, über Vitae wie die von Dirk Thärichen und Jens Fuge nur ganz, ganz schwer auf dem Hintergrund der Olympia-Bewerbung führen können. Wir befinden uns mitten im Marathon.

Die Bratwurstfrau wohl nicht. Guten Tag, wie denken Sie über die Stasi-Fälle bei den Olympia-Machern?

Die Vergangenheit soll ruhen.

Haben Sie immer so gedacht?

Schon etliche Jahre.