Man werde "das Land nicht an die Wand fahren lassen", hat die CDU-Vorsitzende versprochen. Wer nach der Strategie der Union fragt, findet in Angela Merkels Bemerkung die Kursbeschreibung: Es wird keine Blockade geben. Die Union könnte sich von einem destruktiven Kurs auch nichts versprechen. Weder lässt sich die Bundesregierung durch Obstruktion in Neuwahlen treiben, noch kann die Union dem Land einen Stillstand verordnen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Kooperation ist die plausiblere Strategie, zumal sich auch auf diesem Wege die Interessen der Union bedienen lassen.

Denn sie ist stark genug, die Regierung zu Verhandlungen zu zwingen.

Dass von der Kooperation letztlich nur die Regierung profitieren würde, ist die eher schwache Hoffnung des Kanzlers. Die Wunschliste der Union jedenfalls, mit der sie jetzt in die Verhandlungen geht, ist happig: Keine Festschreibung von Mindestlöhnen als Kriterium zumutbarer Arbeit, weitere Lockerung des Kündigungsschutzes und betriebliche Bündnisse für Arbeit. Mit solchen Ergänzungen möchte Angela Merkel die "Handschrift der Union" erkennbar machen - und Konflikte in der SPD anschärfen. Die andere Schmerzvariante trifft Finanzminister Hans Eichel, den die Union mit weiteren Sparvorschlägen traktieren wird. Dennoch ist das Kooperationsinteresse des Kanzlers offenkundig: Er muss zeigen, dass er noch regieren kann. Und er will mit der Steuerreform dem Wahlvolk ein Präsent auf den Gabentisch legen dürfen. Das mag die Regierung sogar stabilisieren. Was die CDU-Vorsitzende indes nicht wirklich stört. Solange Umfragen und Ambitionen Edmund Stoiber noch immer als ihren Konkurrenten ausweisen, darf der Kanzler durchhalten.

Inzwischen profiliert sich die CDU-Vorsitzende als Reformerin, während Stoiber seine Rolle nur mehr als soziales Gewissen der Union findet.

Ansonsten mag er mit Erwin Teufel oder Dieter Althaus inständiger als die Vorsitzende für die Steuersenkung plädieren - aber eine eigene Verhandlungslinie hat er nicht.

Nach Regierungssturz klingt das nicht gerade. Eher nach neuen Einsparungen und weiteren einschneidenden Maßnahmen am Arbeitsmarkt. Möglicherweise darf am Ende der Kanzler die Steuern senken. Aber die SPD - Ministerpräsidenten wie Abgeordnete - wird noch schwer daran tragen.