Er war Musikwissenschaftler und doch ein Improvisator, er war Autor und doch bescheiden. Wer den schlanken Peter Niklas Wilson neben seinem Bass, neben seinem Fahrrad stehen sah, wusste, dass er nie in Karriere-Etagen aufsteigen würde, die seinen Idealen widersprechen: unbestechlich, eine Koryphäe für Neue Musik jenseits aller Genres, als Bassist ebenso wie als hilfsbereit Lehrender. Seine Bücher über die Großen des modernen Jazz wie Sonny Rollins, Charlie Parker, Ornette Coleman markierten einen Standard, seine Werke über Miles Davis, Albert Ayler oder Anthony Braxton waren analytisch klug und lesbar. Die internationale Anerkennung freute den 1957 geborenen Hamburger und Professor, anderes war ihm jedoch entscheidender. Musikalische Improvisation galt dem empfindsamen Radikalen als Lebensform, als Feier des Jetzt. Die größte Schwäche der Musik, ihre Vergänglichkeit, machte er zu ihrer größten Stärke: Hear and Now, wie sein wichtigstes Buch heißt. Darin zitiert er Cornelius Cardew mit den Tugenden des Improvisators, und es waren Wilsons Tugenden: "Einfachheit. Integrität. Selbstlosigkeit. Toleranz.

Bereit-Sein. Identifikation mit der Natur. Akzeptieren des Todes." Sein letztes Buch Reduktion akzeptierte keine Grenzen.

Am 26. Oktober starb er an Leukämie. Peter Niklas Wilson war ... es ist nicht zu verstehen, bei einem, der hier und jetzt so lebendig ist.