Es musste keineswegs "erst das dritte Jahrtausend anbrechen", bis die Kirche sich von der Leibfeindlichkeit abwandte. Bereits die Reformation hat mit dem Ideal der fleischlichen Enthaltsamkeit gebrochen. Sie erkannte, dass der Gott nicht besser diene, welcher sich asketisch in ein Kloster begebe. Sondern die dienen Gott und den Menschen, welche ihre Frau (beziehungsweise ihren Mann) offen und fröhlich lieben. Und ohne Sexualität wäre diese Liebe unvollkommen.

Es scheint mir eine Fehlinterpretation der Bibel, wenn Herr Stock die Vertreibung aus dem Paradies (Genesis 3) mit der Entdeckung der Sexualität von Mann und Frau begründet sieht. "Die Christenheit" hat auch nicht "unablässig" darüber "gegrübelt". Ursache der Vertreibung ist in diesem Text das Auflehnen gegen Gottes Gebot.

Möglich ist allenfalls, dass sich christliche Leserinnen und Leser, die das spätantike Ideal der Leibfeindlichkeit kannten, fragten, ob nicht die Freude an der Sexualität bereits ein Auflehnen gegen Gott sei.

Martin Hassler, Hilden

Wegen der Aufmachung "Lieben in Deutschland" hatte ich mich am Kiosk schnell für die ZEIT entschieden. Als ich dann aber bemerkte, dass die Geschichte nur die auch andernorts zu erwartende "Sexualität in Deutschland"-Story variierte, war ich doch enttäuscht. Weshalb haben Sie Ihren Aufmacher nicht "Sexualität in Deutschland" benannt? Eine Geschichte über die Liebe heutzutage, über Paare, Gewohnheiten, neue Sitten, Hoffnung, Vertrauen oder Verrat, das hätte mich interessiert.

Bei Ihnen über Dildos und Selbstbefriedigung zu lesen war schnelles Futter, aber nicht mehr.

Fernando Offermann Berlin