Ihre Beobachtung ist korrekt. Aber wie kann eine Luftströmung, die sich mit wenigen Metern pro Sekunde bewegt, Schallwellen "tragen", deren Geschwindigkeit 330 Meter pro Sekunde beträgt?

Normalerweise breitet sich der Schall geradlinig und kugelförmig aus. Bei Wind ändert sich das. Meistens nimmt die Windgeschwindigkeit vom Boden aus nach oben hin zu. Das bedeutet, dass der Schall bei Rückenwind in der Höhe zusätzlichen Schub bekommt. Die Folge: Die Schallwellen werden gebrochen und ändern ihre Richtung – wie Lichtstrahlen, die in ein anderes Medium mit geringerer oder höherer Dichte eintreten.

Der Rückenwind lenkt nun in der Höhe Wellen, die den Zuhörer sonst nicht erreichen würden, zum Boden hin ab – sie können auf diese Weise sogar Hindernisse wie Mauern oder Häuser überwinden. Die entfernte Blaskapelle klingt sehr laut.

Spielt sie allerdings gegen den Wind, werden die Schallwellen vom Boden weg gebrochen und quasi in den Himmel geschickt. Der Schallpegel sinkt, es kann sogar ein "Schallschatten" entstehen, in dem praktisch nichts von der Musik zu hören ist, obwohl zwischen der Kapelle und dem Zuhörer kein Hindernis steht. Christoph Drösser

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio