Ich bin zurzeit nicht gut drauf. Der Mercedes fährt nicht. Er bleibt einfach immer wieder stehen. Ein Mercedes! Ich war in fünf Werkstätten, jede hat für 500 bis 1000 Euro was repariert, aber er bleibt immer wieder stehen. Wenn ich in die Werkstatt gehe und mich beschwere, lachen sie mich aus. Dann ist unsere Gastherme kaputt. Wir haben in der Wohnung seit Wochen kein warmes Wasser und keine Heizung mehr, die Therme macht Geräusche – so ein Bum, Bum, Bum –, und braunes Wasser fließt heraus. Es ist wie beim Mercedes. Jede Woche kommt ein Monteur, repariert, sagt "Alles klar", schreibt die Rechnung, geht, und am nächsten Morgen macht es wieder Bum, Bum, Bum. In Deutschland kann niemand mehr etwas reparieren. Ich habe seit Wochen nicht mehr geduscht. Und dann gibt es noch die Lebensmittelmotten. Sie sind überall. Sie fressen sich durch Plastiktüten hindurch. Sie sitzen im Reis, im Tee, in den Gewürzen. Wir haben alles weggeworfen, Fallen aufgestellt, umsonst. Es liegt an der Ikea-Edelküche, sagen Experten. Die Ikeaküchen haben so Löcher, damit man die Höhe der Regalbretter verstellen kann. Darin sitzen sie. Wir schütten Essig in die Löcher. Aussichtslos. Letztlich hilft nur eine neue Küche, sagen die Experten. Aber das Kind wollte zuerst einen Computer. Ich habe den Computer eines Kollegen gekauft. Das Kind sagt, er ist zu poplig. Also habe ich einen Computer gekauft, der stark genug ist, um selbstständig einen Atomkrieg zu führen. Den popligen Computer kann ich nicht zurückbringen, weil das Auto kaputt ist, er steht im Flur, und Lebensmittelmotten sitzen darauf. Der neue Computer löscht, wenn man ihn ausschaltet, alle Spiele, die auf ihm gespeichert sind. Er funktioniert nur, wenn man ihn ständig laufen lässt. Also kommen jetzt täglich Computerexperten und versuchen, den Computer zu reparieren. Sie nehmen 60 Euro. Sie beklagen sich über die Kälte und die Lebensmittelmotten. So weit das Private. Nun mein Berufsleben.

Während des Urlaubs unserer Sekretärin sind die Abrechnungen all meiner Dienstreisen der letzten Monate verschwunden. Sie sind einfach weg. Um das Geld zu bekommen, müsste ich mit der Buchhaltung eine mehrmonatige Diskussion führen. Vor ein paar Wochen hatte ich eine somnambule Phase, in der ich alle Vorschläge für Artikel einfach angenommen habe. Jetzt merke ich, dass ich es unmöglich schaffen kann. Ich kann allerhöchstens die Hälfte der Texte liefern. Vielleicht zwei Drittel. Wenn ich von acht Uhr bis Mitternacht am Schreibtisch sitze. Aber das geht nicht, weil ich mich auch um den Mercedes, die Therme, die Motten, den Computer kümmern muss. Auf dem Flur treffe ich dauernd Kollegen, die freundlich nicken und fälschlicherweise denken, sie kriegen nächste Woche ein Essay, ein Feuilleton oder eine Glosse von mir. Ich aber weiß genau, dass schon bald fürchterlicher Streit ausbrechen wird.

Ich könnte auch krank sein. Oder es kommt ein Krieg. Deswegen sage ich mir immer, dass meine Sorgen völlig banal sind. Das ist das Schlimmste. Ich bin verdammt schlecht drauf, und es ist auch noch unwichtig.

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