Achtung, ich bin ein Betroffener, ich bin der Verleger von Alban Nikolai Herbsts Roman MEERE und damit einer derer, zu deren "verständlichem, aber ungerechtfertigtem Leidwesen" die Gerichte glücklicherweise, so Ulrich Greiner, "den Betroffenen immer häufiger Recht" geben.

Während Ulrich Greiner die Öffentlichkeit darüber belehrt, dass "Kunstfreiheit kein Freibrief für Vertrauensverrat" ist (als hätte irgendjemand dies behauptet), muss ich meinerseits ihn darauf aufmerksam machen, dass auf den Roman MEERE von A. N. Herbst keine der Charakterisierungen zutrifft, die Greiner pauschal den Werken von über die Stränge schlagenden "Schriftstellern" zugedenkt: Weder ist "Jede Ähnlichkeit mit Lebenden oder Verstorbenen kein Zufall und vollkommen beabsichtigt", noch kann von "absichtsvollen Bloßstellungen und Demütigungen", gar von einem "rücksichtslosen Spiel absichtsvoller Enthüllungen" die Rede sein - im Gegenteil! Dieser Roman handelt von menschlichen Grundfragen.

Greiner verrührt die juristischen Konflikte um die biografisch-autobiografischen Bücher von Bohlen, Küblböck und Feldbusch zu einem Brei mit denen um die Romane von Biller und Herbst. Man erwartet eine differenziertere analytische Berichterstattung von Ihnen.

Nikolaus Hansen, Hamburg

Auch mein Buch Der Samt der Robe - Erzählungen aus der Justiz stand vor Gericht. Richter der 24. Kammer ("Bohlen"-Kammer) des Landgerichts Hamburg richteten vor einem Jahr auf Antrag eines Richters über die Satire eines Richters (ich bin Jugendrichter).

Vorher war das Buch bei einer Lesung am Landgericht Regensburg von über 150 erlesenen Gästen auf Einladung meines Präsidenten gefeiert worden. Ein Richter am Landgericht Regensburg bezog derweil die Literaturfigur "Dr.-Porno-Uli" hautnah auf sich und ließ sieben (!) Wochen später den satirischen Erzählband aus den Regalen und Auslagen verbannen. Seitdem ist mein Glaube an das, was ich einst zu Artikel 5 des Grundgesetzes (Freiheit der Kunst) gelernt hatte und durch das so genannte Mephisto-Urteil (Klaus Mann) als gesichert ansah, doch etwas erschüttert.

Benno Hurt, Regensburg