Eigentlich müsste es eine Warnung für jeden Theaterregisseur sein, dass Karen Duves Regenroman die Gattungsbezeichnung schon im Titel trägt. Sandra Strunz hat trotzdem versucht, den Text auf die Bühne zu bringen. Die Uraufführung im Foyer des Schauspiels Hannover zeigte aber nicht nur, wie schwierig es ist, Duves Prosa zu dramatisieren, sondern auch, welche Schwächen die Vorlage besitzt.

Regenroman erzählt eine Untergangsgeschichte. Der Schriftsteller Leon zieht mit seiner bulimiekranken Frau Martina in ein baufälliges Haus im Priesnitzer Moor, um dort die Biografie eines Exboxers und Zuhälters zu schreiben. Nach und nach versinkt die Szenerie in Matsch und sintflutartigem Regen: Leons und Martinas Ehe verrottet wie die durchweichten Wände ihres Häuschens - die Stadtflucht wird zu einem Horrortrip, der in Vergewaltigung, Mord und Suizid endet.

Duves Roman lebt in erster Linie von seinen Sprachbildern und dem boshaften Witz der Autorin. Für ihre Inszenierung hat ihn Sandra Strunz deshalb nicht einfach auf die Dialoge reduziert, sondern sie lässt ihre Figuren immer wieder Passagen aus dem Erzähltext deklamieren. Dadurch gewinnen sie eine Distanz zu sich selbst, die sie bei Karen Duve nicht haben. Leider vergibt Strunz die Chance, ihnen über diesen Kunstgriff Tiefe zu verleihen. So tritt auf der Bühne deutlich zutage, was Duve mit ihrer virtuosen Sprache vergessen macht: dass ihre Figuren nichts als Pappkameraden sind, die sich allmählich mit Brackwasser voll saugen.

Sandra Strunz versucht, diesen Mangel an Substanz mit parodistischer Übertreibung zu kompensieren. "Er schrie auf vor Schmerzen", lässt sie Leon (Wolf Bachofner) ausrufen, dann brüllt er theatralisch, und das Publikum lacht ein bisschen. Duves abgründige Komik verkümmert so zu flachen Kalauern - die Figuren wirken wie ausgestopfte Trophäen, die Sandra Strunz auf ihrer Jagd nach Textbotschaften erlegt hat.

Da geht es um die Untauglichkeit männlicher Selbstentwürfe, um die Konfrontation von Mensch und Natur und um den Westen, der den Osten okkupiert. Sandra Strunz will das alles gleichzeitig auf der Bühne einfangen, doch gelingt es ihr weder inhaltlich noch ästhetisch, über eine bloße Wiedergabe der Romanhandlung hinauszugelangen. Zu beharrlich verweigert sich ihr episches Theater der Reflexion: Motive und Themen werden stets nur oberflächlich angespielt - so wie die Figuren im Moor versinken, erstickt ihre Inszenierung in einem Sumpf wahllos zusammengesuchter Regie-Einfälle.

Achtziger-Jahre-Look, Kreischen aus dem Off und augenzwinkernde Musik-Einlagen (Lady in Red) bleiben ohne erkennbaren Bezug zum Stück.

Besonders unangenehm stößt ihr Versuch auf, den arroganten Blick des Westens auf den Osten zu karikieren. Gleich zu Beginn zieht der ortsansässige Dorfkrämer eine Banane aus dem Kittel.