Die "persönliche Mitteilung" von Robert Redford steckte in einem großen schwarzen Umschlag, geheimnisvoll und spärlich bedruckt. Der Regisseur und Schauspieler, bekannt aus Der Pferdeflüsterer, Out of Africa oder Der große Gatsby, braucht die Hilfe amerikanischer Haushaltsvorstände. "Die Bush-Regierung hat einen breiten Angriff auf unsere Umweltgesetze und unsere Natur gestartet", schreibt der sonst so zurückhaltende Filmstar innen auf Recyclingpapier, wettert über "unverschämte Kniefälle vor Partikularinteressen" der Industrie und eine "radikale Abweichung von den Werten des Umweltschutzes, die den meisten Amerikanern lieb und teuer sind".

Nun ist es in den USA nicht ungewöhnlich, dass sich prominente Amerikaner hinter Aufrufe zugunsten der Umwelt oder anderer guter Dinge stellen. Doch der Ton solcher Appelle und die Kommentare von Aktivistengruppen waren selten so aufgeregt wie in diesen Tagen. Die "schlimmste umweltpolitische Bilanz der amerikanischen Geschichte" will zum Beispiel Carl Pope ausgemacht haben, Chef des Umweltverbandes Sierra Club. Einen "Versuch, die amerikanische Wildnis wegzurasieren", beklagt Mike Matz, Chef der Campaign for America’s Wilderness. "Völliger Unsinn", verlautet dazu aus dem Weißen Haus. James Connaughton, der oberste umweltpolitische Berater des Präsidenten gelobt: Wenn erst alle Pläne der Bush-Administration umgesetzt seien, wären Wasser, Luft und Landschaft sauberer. Bloßes Geschrei im Anlauf zum Präsidentschaftswahlkampf im kommenden Jahr also?

Wahlkampfspender erhielten üppige Geschenke

Es war ein Nachmittag im Mai 1999, in der Nähe von Austin in Texas, als die Umweltpolitik des angehenden Präsidenten George W. Bush geboren wurde. "Ich werde der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein", soll Bush den 15 versammelten Umwelt- und Politikexperten seines kleinen Privatseminars damals gesagt haben. So haben es später zumindest Steven Hayward und Terry Anderson berichtet, zwei der geladenen Berater. "Wenn ich das Amt verlasse", soll Bush weiter gesagt haben, "wird die Luft sauberer, das Wasser sauberer und die Umwelt gesünder sein. Sagen Sie mir, wie ich das erreichen kann."

Doch dreieinhalb Jahre später erscheinen die Vorsätze wie ein schlechter Scherz. Die Bush-Administration hat sich, von der breiten Öffentlichkeit kaum bemerkt, in der Tat ein Umweltgesetz nach dem nächsten vorgenommen und drastische Reformen auf den Weg gebracht – jedoch, da sind sich die meisten Fachleute einig, hauptsächlich zum Nachteil der Natur.

In Europa ist man noch bestens mit der Bush-Politik zum Klimaschutz vertraut. Nachdem der angehende Präsident in einer Wahlkampfrede versprochen hatte, das Treibhausgas CO2 zu reduzieren, nahm er das unmittelbar nach der Wahl wieder zurück. Er bestreitet seither das ganze Phänomen der Klimaerwärmung, unterdrückte offenbar einschlägige Forschungsberichte seiner eigenen Umweltbehörden und ließ das Kyoto-Protokoll scheitern. Bushs Alternativplan, eine Reihe von Forschungsprojekten und freiwilliger Abmachungen mit der Industrie, wird sogar in der amerikanischen Umweltbehörde EPA hinter vorgehaltener Hand als Quatsch bezeichnet.

Doch Bushs "Krieg gegen die Umwelt" – von dem einmal der amerikanische Nachrichtensender CNN sprach – hatte damit erst begonnen. Mit ähnlicher Verve stoppte die Bush-Regierung kurz nach ihrem Amtsantritt die Umweltbehörde EPA dabei, den so genannten Clean Air Act weiter umzusetzen. Seit Jahrzehnten schon drückten sich etliche der größten Kraftwerkbetreiber Amerikas davor, neue Filteranlagen einzubauen und die strengen Schadstoffrichtlinien aus den siebziger Jahren einzuhalten – und gerade 1999 hatte die EPA eine neue Initiative begonnen, diese Richtwerte einzuklagen. Doch Bush will die Grenzwerte wieder lockern, und sein Programm "Clear Skies" würde Kraftwerken eine weitere Kulanzzeit von 15 Jahren einräumen.

Im Mai 2002 schlugen die Umweltverbände Alarm, als die Bush-Regierung Pläne vorlegte, den Clean Water Act des Landes aufzuweichen. Eine Gesetzesänderung sollte unter anderem fragwürdigen Kohlenminen das Geschäft erleichtern, nämlich solchen, die ganze Bergspitzen wegsprengen. Sie sollten die Erlaubnis bekommen, das Geröll einfach in Täler zu kippen und ganze Gewässer zu begraben. "Wir haben Freunde gesucht und in George W. Bush einen gefunden!", jubilierte James Harless, Vorstandsmitglied der Firma Massey Energy, die zu den Bergabknipsern gehört (und ein eifriger Wahlkampfspender für das Bush/Cheney-Team gewesen war). Im Januar 2003 schlug die Regierung dann vor, bis zu 60 Prozent der amerikanischen Flüsse und Seen vom föderalen Wasserschutzgesetz auszunehmen.