Mit ihrer fragwürdigen Anti-Degussa-Aktion haben Lea Rosh und ihr Kuratorium geradezu exemplarisch bestätigt - wenn auch sicherlich ungewollt -, wie berechtigt die Warnung von Martin Walser in seiner viel gescholtenen Frankfurter Rede war, den Holocaust nicht als moralische Keule zu instrumentalisieren.

Genau dieses hat Lea Rosh jetzt praktiziert unter dem Motto: Auf der Firma Degussa und ihren heutigen Mitarbeitern lastet eine schwere Schuld aus der Nazizeit vor 60 Jahren. Bei kostenloser Lieferung des Anti-Grafitti-Mittels im Wert von über einer Million Euro könne man aber vielleicht ein Auge zudrücken. Welch erschreckendes Verständnis von Moral und verantwortungsbewusster Geschichtsaufarbeitung!

Umso erfreulicher, dass sich Persönlichkeiten wie Michael Naumann, Peter Eisenman, Paul Spiegel und andere unmissverständlich von dieser Fehlleistung distanziert haben.

Dr. Diether Plate Süsel/Holstein

Michael Naumann hat in einem unerschrockenen Artikel überzeugend Stellung bezogen und die unselige Diskussion über den Schutz der Gedenksteine damit hoffentlich beendet.

Was jetzt passiert, ist absurdes Theater. Lea Rosh beantragt als Initiatorin einen Baustopp, als suche sie selbst nach Mitteln, den Bau zu verhindern, was sie oft genug anderen unterstellt hat. Offenbar will sie nicht zur Kenntnis nehmen, dass es inzwischen einen Autor für das Gesamtwerk gibt, den Architekten Peter Eisenman, der für diese Aufgabe zuständig ist, und niemand zweifelt daran, dass er sie mit größter Gewissenhaftigkeit umsetzt. Er ist sich der Problematik seiner Aufgabe durchaus bewusst. Zufällig ist er selbst Jude. Er hat weder den Nachhilfeunterricht einer omnipräsenten Schutzmantel-Madonna nötig, noch muss er sich öffentlich durch Political Correctness profilieren.

Man sollte endlich auf weitere Spitzfindigkeiten verzichten, die nur die Bedeutung dieser deutschen Gedenkstätte mindern.