Mit Verlaub Frau Schwarzer: Der Unterschied zwischen Ihnen und vielen Frauen meiner Generation ist die Tatsache, dass wir uns nicht mehr grundsätzlich als "benachteiligte Gruppe" oder Geschlecht sehen.

Laut Ihrer Definition gehöre ich zu den "Töchtern der Emanzipation". Denn ich bin in dem Glauben aufgewachsen, dass ich als Frau genauso viel oder wenig erreichen kann wie jeder Mann. Und was soll ich Ihnen sagen? Bis dato haben mich Mamis und Papis Versprechungen nicht enttäuscht. Ich bin irrsinnig gerne eine Frau - und ich bin aufgrund meines Geschlechts bisher weder bevorzugt noch benachteiligt worden. Das hat auch die von Ihnen mobilisierte Siebziger-Jahre-Frauenbewegung geschafft. In den Köpfen etlicher junger Frauen spielt der Geschlechterkampf keine primäre Rolle mehr.

Chancengleichheit ist im Denken der Mehrheit der jungen Generation angekommen. Auch bei Ihnen? Kühn behaupte ich, dass Sie immer noch in den achtziger oder neunziger Jahren leben.

Doch lassen Sie es sich von einer jungen, ambitionierten und im späteren Berufsleben hoffentlich auch erfolgreichen Studentin sagen: Wir müssen nicht mehr gegen die Männer ankämpfen. Wir haben die Chance, mit ihnen gemeinsam und gleichberechtigt zu arbeiten, vereint und fernab der Geschlechterdebatte.

Alessa Berkenkamp Frankfurt an der Oder