Es gibt wohl kaum eine vornehmere Art, Aufmerksamkeit zu erregen, als mit dem Steigenlassen eines Drachens: Am Boden ein normaler Mensch, am Himmel die Manifestation seiner hochfliegenden Träume. Und weil ein Traum nicht groß und nicht schön genug sein kann, überlassen wir das flattrige Folientrapez Modell Seeadler lieber den Engherzigen. Ein richtiger Drache muss nichts anderes darstellen. Darum wohl sprechen Enthusiasten statt von Drachen auch lieber von Kites.

Kites sind kein Spielzeug, sondern Präzisionsgeräte für den so genannten Traktionssport. Sie erreichen leicht die erlaubte Maximalflughöhe von 100 Metern und beherrschen darüber hinaus manches Kunststück. Unsere Abbildung zeigt ein Spitzenmodell, den JoJo RM+ 10.0, der von Johann Regnat von der Firma Wings, einem der Entwickler, vertrieben wird. Er gehört in die Klasse der Vierleiner, die man nicht nur lenken, sondern auch bremsen kann, was bei einer Segelfläche von zehn Quadratmetern für eine geordnete Landung unerlässlich ist. Vierleiner sind Nutzdrachen, die alle möglichen Sportgeräte antreiben können. Das beliebteste sind Buggys, fußgelenkte Dreiräder, die Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern erreichen. Im Winter nimmt man stattdessen handelsübliche Skier.

Angesichts dieser Zugkräfte ist es beim Drachenkauf ratsam, die Größe nicht nach dem Geltungsdrang, sondern nach der eigenen Erfahrung und den Windverhältnissen zu bemessen. "Der Pilot", sagt Herr Regnat, "sollte den Bodenkontakt niemals verlieren." Für Ängstliche empfiehlt sich darum die Anschaffung eines Indoor-Kites, der auch einiges hermacht und bei entsprechendem Körpereinsatz gar keinen Wind braucht. Heißt es nicht schon bei den Puhdys: "Geh zu ihr, und lass deinen Drachen steigen"?