Kann man in diesen Zeiten überhaupt ein ganzes LEBEN dem Luxus widmen? Ist das nicht ein unverzeihlicher Luxus? Ist nicht ein Schreiben über teure Autos, Klamotten und Küchengeräte ein Verbrechen, weil es ein Schweigen über so viele billige Autos, Klamotten und Küchengeräte einschließt? Von Schlimmerem gar nicht zu reden. Andererseits: Wann wäre der richtige Zeitpunkt für ein Luxus-Spezial? Geht es mit der Welt nicht seit dem Urknall bergab? Nehmen nicht, spätestens seit der Vertreibung aus dem Paradies, Umweltverschmutzung und Arbeitslosigkeit zu – bis auf kleine Intervalle trügerischen Wohllebens, die entweder der Kriegsvorbereitung oder zur Verdrängung vergangener Untaten dienten? Nein, einen richtigen, pietätvollen Zeitpunkt kann es nicht geben. Außerdem: Luxus ist ein gesellschaftliches Phänomen. Wie Rinderwahn oder die Fußballbundesliga. Sich damit zu beschäftigen heißt noch nicht, dazu aufzurufen, sich anstelle einer Patenschaft für ein hungerndes Kind lieber eine komfortable Zweitwohnung in einer tollen Stadt zuzulegen. Es bleibt kompliziert: Im Interesse der Konjunktur werden wir Konsumenten zum Geldausgeben aufgerufen, während der Staat im Interesse des Gemeinwohls nicht genug sparen kann. Wir tun uns halt schwer mit der Verschwendung – und leben doch über unsere Verhältnisse.