Mittlerweile hat sich das musikalische Bergungsunternehmen sogar zu einer Art Aufarbeitungsmaschinerie entwickelt. Schon vor der Platte hatte der Filmemacher Jens Huckeriede begonnen, die Geschichte der Wolfs zu recherchieren. Dabei stieß er auf den Urenkel Dan Wolf, der bis zum Auftauchen des Filmers nichts von der musikalischen Vergangenheit seiner Familie wusste. Dan Wolf wiederum ist selbst Musiker, Teil der Rap-Formation Felonious, die nun die Tüdelband- CD ebenso eröffnet wie Huckeriedes gleichnamigen Film.

"I seek the people’s story" rappt er dort, forscht nach Spuren auf der Reeperbahn, im KZ Neuengamme, in der Synagoge und im Luftschutzbunker. Der jüngste Wolf rappt auf Englisch und adaptiert problemlos das Plattdeutsch seiner Vorfahren, auch wenn er die Worte nicht ganz versteht. Siebzig Jahre nach dem Versuch der Isaacs, sich als Gebrüder Wolf neu zu erfinden, wechselt der Urenkel ganz selbstverständlich die Identitäten. Auf Huckeriedes Anregung entstanden zudem eine Ausstellung und eine erfolgreiche Theater-Revue – in den Hamburger Kammerspielen, deren Gebäude bis 1941 den jüdischen Kulturbund beherbergte, ab 1942 jedoch als Sammelstelle für Deportationen diente.

Nicht eben wenig hat es in Bewegung gesetzt, das kleine Lied, nachdem es scheinbar zufällig wieder aufgetaucht war aus dem kollektiven Gedächtnis. Return of the Tüdelband ist nicht nur eine Reminiszenz an gewaltsam unterbrochene Traditionen, eine Variation übers Erinnern, das vor dem Vergessen rettet. Es ist auch ein Lehrstück über die Macht der Musik. Der Zauber eines mehr als 90 Jahre alten Songs schafft, was kein Geschichtsbuch vermag: Er lässt Vergangenheit wiederauferstehen.

Der Film "Return of the Tüdelband" läuft in einigen Programmkinos. Der Tüdelband-Katalog ist im September '03 in zweiter Auflage beim Hamburger Abendblatt "Bücher & Mehr" erschienen und dort zu beziehen. Kontakt: Hamburger Abendblatt, BÜCHER & MEHR, Frau Helga Obens, Fax: 347-12272, oder 347-123377, Tel: 347-22 272