Ein Film darüber fehlt bis heute. Es ist die Geschichte von vier Brüdern aus Youngstown, Ohio, die im Jahr 1904 das Pferd und die goldene Uhr ihres Vaters zum Pfandleiher bringen – nur um sich eine defekte Maschine für Stummfilmvorführungen zu kaufen. Drei Jahrzehnte später gehört ihr Unternehmen zu den fünf größten Produktionsstudios in Hollywood.

Heute ist Warner Bros. Teil von Time Warner, dem größten Medienkonzern der Welt. Aus Warners Studios kommen viele Kassenschlager in die Kinos. Unter ihrem Logo zaubert Harry Potter, kämpfen die Matrix- Helden. Die Filmfirma hat bereits über 100 Oscars gewonnen.

Nur ihre eigene Story haben die Warner Brothers nie auf die Leinwand gebracht. Dabei ist sie filmreif. In den Hauptrollen: der Patriarch, der sich an die Macht klammert, und der Bruder, der vor lauter Eitelkeit das Geschäft aus den Augen verliert. Die Figur des Nachfolgers bleibt unbesetzt. Ein Happy End gibt es nicht, zumindest nicht für die Gründerfamilie. Viel Liebe und Hass, Vertrauen und Intrigen, Geld und Glamour: Es ist ein Abenteuer wie aus der Feder eines Warner-Drehbuchautors – vom armen Einwanderer zum bewunderten Millionär.

Die Hauptdarsteller Harry, Albert, Samuel und Jack Warner sind zähe Burschen, doch anfangs spricht wenig für ihren Erfolg. Sie wachsen auf als arme Einwandererkinder jüdischer Abstammung. Ihre Schulbildung ist gering, und sie sind nicht die Ersten, die mit einem Wanderkino durch die Kleinstädte Ohios und Pennsylvanias ziehen. Das Geschäft kommt nur langsam in Fahrt. Zwar betreiben sie bald ein Kino und ziehen einen Filmverleih hoch. Doch nach sieben Jahren stehen sie vor dem totalen Aus. Der so genannte Trust, ein Zusammenschluss der wichtigsten Produktionsfirmen zur "Motion Picture Patents Company" (MPPC), macht den Aufsteigern einen Strich durch die Rechnung. MPPC-Initiator Thomas Alva Edison und seine Mitstreiter bündeln dort wichtige Patente für die boomende Branche. Filme und Geräte geben sie nur gegen Lizenzgebühren an Produktionsfirmen und Kinobetreiber ab. Erst 1912 verbietet ein Gericht den Trust wegen seiner Monopolstellung.

Im selben Jahr wagen die vier Brüder einen Neustart im Filmgeschäft – allerdings in Kalifornien, weit weg vom Einflussbereich der MPPC-Bosse an der Ostküste. Sie versuchen sich als Filmverleiher und als Produzenten. Doch wieder sind die Warners Nachzügler. Ihre ersten Filme können mit der Konkurrenz nicht mithalten. "Diesen Mist kann ich nicht verkaufen", sagt Albert Warner über die beiden missglückten Wildwest-Streifen The Covered Wagon und Raiders on the Mexican Border.

Erst 1917 kommt ein Film ins Kino, der die Branche aufhorchen lässt: Mit My Four Years in Germany, einer Story über die Erlebnisse des US-Botschafters James W. Gerard, landen sie einen Überraschungserfolg. Sechs Jahre später besitzen die Studios endlich ihren ersten Filmstar – einen Hund. Die Warners hätten kein besseres Aushängeschild finden können. Rin Tin Tin ist ein Straßenköter aus Frankreich, den ein Soldat aufgegabelt hat, und er erfüllt alle Anforderungen, die Warner Bros. an einen Star stellt: Seine Gage ist ziemlich gering, er hat keine Allüren und lässt sich notfalls durch eine ganze Reihe von Doubles ersetzen. Das Geschäft an den Kinokassen stimmt obendrein.

Den vier Brüdern geht es vor allem ums Geld, ihr Hollywoodstudio organisieren sie nicht anders als Henry Ford seine Produktionsstraßen. "Ich betreibe eine Fabrik", sagt Jack Warner. "Filme machen erfordert, wie jede andere Art der Produktion, Disziplin und Ordnung – viel mehr als Temperament oder Talent."

Bis ganz nach oben schaffen es die Brüder vor allem aus zwei Gründen. Erstens, weil sie zu jeder Zeit sparsam bleiben, auch wenn sie sich über andere Grundsätze der Unternehmensführung in die Haare kriegen. Und zweitens, weil sich ihre Talente ideal ergänzen. Ihre unterschiedlichen Interessen bilden eine Symbiose, die ihnen einen großen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Einzelkämpfern in der Branche verschafft.