So schlecht, wie ihre Kritiker meinen, kann die deutsche Mitbestimmung nicht sein. Ohne große Diskussionen wird sie jetzt beim Lebensmittel-Produzenten Kraft Foods in Bremen eingeführt. Grund für die Neuerung ist, dass Kraft verschiedene Firmenteile zu einer gemeinsamen GmbH verschmilzt, bei der dann mehr als 2000 Beschäftigte arbeiten. Damit unterliegt das Unternehmen automatisch der Verpflichtung, einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat einzurichten.

Überlegungen, die zur amerikanischen Altria-Holding gehörende Kraft-Gruppe so umzustrukturieren, dass man an der Parität im Aufsichtsrat vorbeikommt, hat es offenbar nicht gegeben. "Wir fürchten uns nicht vor der Mitbestimmung", sagt Kraft-Sprecher Stephan Becker-Sonnenschein. Wieso auch - vom Wirtschaftsmagazin Capital wurde Kraft gerade als "Bester Arbeitgeber 2003" ausgezeichnet.

Unterstützung erhält das deutsche Modell auch aus Großbritannien. Dort kommt die unabhängige Work Foundation in einer Studie zu dem Schluss, dass die auf der Insel gegenüber Deutschland um ein knappes Viertel geringere Arbeitsproduktivität nicht zuletzt auf schlechtere Arbeitsbeziehungen zurückzuführen sei. "Gesetzliche Vorgaben für die Mitsprache der Mitarbeiter helfen, sooft man auch in Deutschland über das Betriebsverfassungsgesetz stöhnen mag", heißt es bei dem Forschungsinstitut.