Seltsam, dass die auswärtige Kulturpolitik immer noch ein Schattendasein führt, nachdem doch erst vor zwei Jahren alle, mit Terror und Terrorkrieg konfrontiert, für mehr und intensiveren interkulturellen Austausch plädiert hatten. 567 Millionen Euro wendete das Auswärtige Amt 2002 immerhin für diesen Zweck auf, und es ist ebenso erstaunlich, wie wenige Worte Außenminister Fischer bis heute darüber verloren hat, wofür 27 Prozent des Etats seiner Behörde so verwendet werden.

Der Herbst der Reformen bricht aber nun auch dort an: Die mit dem Kulturaustausch betrauten Mittlerorganisationen, also das Goethe-Institut, der DAAD, die Humboldt-Stiftung und das kleine Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen, werden aller Voraussicht nach aus dem Schwitzkasten der behördlichen Kameralistik entlassen und verwalten demnächst ihre Budgets selbst. Das Goethe-Institut treibt die Sache voran. Künftig muss nicht mehr jeder Laptop in der Münchner Zentrale beantragt werden, die Welt hat zwölf Zonen, und jede Region trägt für ihre Arbeit nun auch die "operative" Verantwortung. Die Steuerung erfolgt, wie es so schön heißt, "strategisch", gemäß klar definierten Zielvorgaben, die der Vorstand mit den zwölf Regionalbeauftragten zuvor vereinbart.

Das Gute daran: Jetzt schon sind alte politische Ungleichgewichte in der Förderung beseitigt worden, will sagen, es gibt mehr Geld für Institute in den EU-Beitrittsstaaten, weniger für Westeuropa. Ein Pilotversuch wird außerdem gestartet. Ab 2004 verwaltet die Region Italien als Erste ihre Mittel selbst. München macht währenddessen aus zwölf Fachabteilungen sechs. Bis 2008 sollen statt 370 nur noch 280 Mitarbeiter Dienst tun. Das sind beträchtliche Einsparungen. Weitere Institutsschließungen werden unwahrscheinlicher.

Das Schlechte daran: Der auf fünf bis sechs Jahre konzipierte Prozess hinterlässt eine Riege von (mächtigen) Verlierern. Das Geschäft verlagert sich von den Abteilungsleitern in der Zentrale auf die Regionalbeauftragten in Tokyo, São Paulo, New York oder Delhi, und auch die Autonomie der einzelnen Institutsleiter wird damit eingeschränkt. Interessant ist, dass die Veränderungsdynamik auch ins Auswärtige Amt zurückwirkt. Denn wenn die Mittlerorganisationen selbstständig budgetieren dürfen, drohen natürlich auch die Abteilungsdirektoren im AA entmachtet zu werden. Da gilt es nun in den Behörden, stille Kulturkämpfe auszufechten, mit Waffen wie Überhören, Vertrödeln oder Aussitzen.

Nein, in der auswärtigen Kulturpolitik ist jetzt nicht Anlass zu hochfliegender Programmatik. Es ist die Zeit der Konsolidierung, der Verschlankung und der Konzentration der Mittel. Joschka Fischer wird nachgesagt, er interessiere sich nicht besonders für diesen Bereich. Hoffentlich stimmt das nicht. Der Außenminister könnte mit vergleichsweise geringen Mitteln diese wichtige "Säule der Außenpolitik" (Willy Brandt) stärken – und dabei demonstrieren, dass es die Bundesregierung auch im eigenen Apparat mit Reformen ernst meint.