Max Strauß, Münchner Rechtsanwalt, Geschäftsmann und Sohn, drohen wegen szenetypischer Unregelmäßigkeiten Haft- und hohe Geldstrafen. Er soll Steuern hinterzogen und Hunderte Anleger einer Recycling- und Panzerverschrottungs-Firma um ihre Friedensdividende gebracht haben. Einer seiner Partner war der legendäre Waffenhändler Karlheinz Schreiber. Er ist flüchtig wie eh und je. Natürlich stellt sich hier die Frage, warum einige Herren der Union immer nur mit Schreiber ihre Deals abwickeln mussten. Gab es keinen tüchtigeren Gangster?

Anders als seinem seligen Vater, der auf einem Schweizer Konto ein Millionenvermögen hinterließ, scheint es dem machtlosen Max Strauß nicht zu gelingen, dem bayerischen Justizwesen mit traditionellen politischen Mitteln (zum Beispiel mit einer Versetzung unbotmäßiger Staatsanwälte in die Provinz) zu begegnen. Es bietet sich ihm aber eine andere Verteidigungslinie an: "Eine markante Persönlichkeitsstörung" (so wird sein Anwalt zitiert) mit womöglich zeitlich vorgelagerter Unzurechnungsfähigkeit macht den 44-jährigen Max Strauß, wenn die Diagnose stimmt, erst einmal prozessunfähig. Er liegt seit mehreren Wochen in Münchens Uni-Klinik.

Mitgefühl ist durchaus angebracht. Zweifel sind es allerdings auch, zumal so genannte Blackouts, kurze moralische Stromsperren, zur Gerichtsstrategie voralpiner Politiker zählen. Unvergessen ist der erwiesene Falscheid des Friedrich Zimmermann, CSU, später Bundesinnenminister, den er 1959 im Münchner Spielbankenprozess leistete: wie sich dann herausstellte - im Zustand geistiger Verwirrung, mithin straffrei. Auch Umneblung schützt in Bayern vor Haft. Otto Wiesheu, Wirtschaftsminister in München, raste 1983 volltrunken durch einen Kleinwagen. Sein Opfer war "ein jüdischer Mitbürger", wie Edmund Stoiber kürzlich mit besonderem Bedauern klarzustellen für nötig hielt. Wiesheu wurde zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt. Aber, mit Karl Valentin gesprochen, "nur im Traum". In zweiter Instanz waren es lediglich 12 Monate auf Bewährung. Das ist das Schöne an Bayern: Politischer Belastung ausgesetzten Menschen gewährt die landesübliche Liberalität die angemessenen Resozialisierungs-Chancen. Ein bisschen Persönlichkeitsstörung wirkt ja strafmindernd wie eine Kiste Bier. Und ein Sohn des Depressionsstifters Franz Josef Strauß zu sein, sollte mit jener Milde bedacht werden, die wir an Bayerns Richtern so schätzen.