Wenn alte Tanten sterben, schlägt die Stunde der Entrümpeler. Lustig ist das aber nur, wenn die Tante Andy Warhol heißt. "Besorgen Sie sich für jeden Monat einen Karton, werfen Sie dort alles hinein, und kleben Sie ihn am Ende des Monats zu. Dann datieren Sie ihn und schicken ihn nach Jersey rüber.

Versuchen Sie, ihn im Auge zu behalten, aber wenn das nicht klappt und er verloren geht, ist das auch okay, denn dann gibt es eine Sache weniger, über die Sie nachdenken müssen, und Sie sind eine weitere geistige Bürde los."

Dieses Hardcore-Simplify-your-Life empfahl Andy Warhol nicht nur, er praktizierte es auch manisch: Auf immerhin 610 Pappkartons (25,5 x 46 x 35,5) brachte er es, indem er mehr als zwanzig Jahre lang alles sammelte, was ihm in die Finger kam: Krims und Kram, Kitsch und Kittelschürzen, Kunst und Kinokarten. Seinen sorgsam verpackten Krusch wollte Andy Warhol als Time Capsules verstanden wissen. Bislang waren nur etwa 100 dieser Zeitkapseln geknackt worden - erstmals zeigt nun das Frankfurter Museum für Moderne Kunst in Zusammenarbeit mit dem Andy Warhol Museum in Pittsburgh 15 davon (bis zum 29. Februar). Dazu wurden auf drei Stockwerken silbrig glänzende Vitrinen aufgestellt, die riesigen Schubladen gleichen, in denen alles durcheinander fliegt. Kunstvolle Wühltische, übersät mit Dingen, die vom Leben übrig bleiben. Der wahnsinnige Warhol hat alles aufgehoben: knittrige Briefe von Sozialarbeitern, die um eine Autogrammkarte bitten, aus Flugzeugen gestohlenes Besteck, Passbildstreifen von Claes Oldenburg. Bis zu 280 Gegenstände hausen in einem Karton und erzählen von vergangenen Zeiten ebenso viel wie von der Ego-Gigantomanie der Tante Warhol.