Es ist grotesk, ausgerechnet dem Historiker Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, "Aktengläubigkeit deutscher Historiker" vorzuwerfen, verbunden mit der Aufforderung, "die Erinnerungen der Zeitzeugen aufzuwerten". Es gibt wohl keinen anderen Forscher der Zeitgeschichte, der vergleichbar viele Erinnerungen von überlebenden Opfern publiziert und damit vor dem Vergessen bewahrt hat.

Die heftigen Angriffe auf die Arbeit von Wolfgang Benz sind offensichtlich auf gekränkte Eitelkeit des Autors zurückzuführen. So verweist er an mehreren Stellen darauf, dass Benz seine Forschungsergebnisse nicht berücksichtigt beziehungsweise nicht benannt hat.

Auf unredliche Weise reduziert er die Kritik von Benz an dem Film Die Rosenstraße auf das Fehlen der Information, der Protest der Frauen sei nicht die Ursache für die Freilassung ihrer Männer gewesen. Außerdem unterstellt er ihm Geringschätzung gegenüber dem Widerstand der Frauen der Rosenstraße. Nun hat Benz ausdrücklich darauf verwiesen, dass die Leistung der Frauen in keiner Weise dadurch geschmälert werde, dass man heute wisse, dass andere Faktoren für die Freilassung der jüdischen Ehemänner ausschlaggebend gewesen sind. Die Essenz seiner Kritik, die Herr Stoltzfus verschweigt, lag ja genau in dem Vorwurf, dass der Widerstand der Frauen durch den Film bagatellisiert wird. Denn nicht Mut und Ausharrungsvermögen der Frauen, sondern die Bereitschaft einer Protagonistin, mit dem allmächtigen Propagandaminister ins Bett zu gehen, spielen darin eine entscheidende Rolle.

Dr. Barbara Distel, München