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Klein, rundlich und verbindlich der eine, groß, hager und distanziert der andere, haben Volker Pollehn und Otto Bernhardt an diesem Montag erkennbar ein gemeinsames Ziel: die Veranstaltung schnell und störungsfrei hinter sich zu bringen. Ein durchaus heikles Vorhaben. Immerhin wollen sie nichts Geringeres, als das Ende der I. G. Farben in Liquidation verkünden. Nicht das planmäßige Aus des ehemals größten Chemiekonzerns der Welt, wie es von den Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg angeordnet wurde, sondern ein außerplanmäßiges. Die Gesellschaft sei bedauerlicherweise pleite, teilen die beiden Liquidatoren auf der von ihnen einberufenen Pressekonferenz Anfang der Woche mit – trotz ihres Bemühens, das Unternehmen "mit seiner zwiespältigen Vergangenheit ordnungsgemäß abzuwickeln". Und Pollehn und Bernhardt benennen auch gleich einen Schuldigen für ihr Scheitern: die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG. Wegen deren "Erklärung, gegenwärtig nicht in der Lage zu sein, auf einen im Jahre 2001 geschlossenen Optionsvertrag weitere Vorauszahlungen zu leisten", müssten sie nun den Insolvenzantrag "wegen Illiquidität" stellen.

Die Reaktion der Börse auf diese Attacke gegen die WCM ließ denn auch nicht auf sich warten: Innerhalb kurzer Zeit ging der Kurs der WCM-Aktie in den freien Fall über. Der Markt interpretiert die Äußerungen der Liquidatoren offenbar so, dass auch die WCM finanziell wackelt. Das weist deren Vorstandschef Roland Flach natürlich weit von sich. Er hat für seine Zahlungsunwilligkeit eine ganz andere Erklärung: Es habe nie einen rechtsgültigen Optionsvertrag gegeben, weil man sich nicht über den Kaufpreis habe einigen können.

Aussage steht damit erst einmal gegen Aussage. Und was die Wahrheit ist, lässt sich vorerst nicht endgültig klären. Doch auffällig ist, dass Pollehn und Bernhardt offenbar durchaus gezielt mit ihren Äußerungen nicht nur die WCM in arge Bedrängnis bringen, sondern auch deren Großaktionär Karl Ehlerding. Der hatte 1993 von einer Sonderausschüttung der I. G. Farben – deren Hauptaktionär er damals war – besonders profitiert. "Dadurch ist damals der später vielbeachtete Aufstieg der WCM AG erst möglich geworden", betonen am Montag ausdrücklich die Liquidatoren. Tatsächlich war das Abwicklungskapital der I. G. Farben nach der Aktion von 80 auf 13 Millionen Euro zusammengeschrumpft. Und WCM war die Mutter der I. G. Farben.

Die Tatsache, dass die Liquidatoren jetzt Ehlerding aufs Korn nehmen, ist erstaunlich. Eigentlich gäbe es für sie Gründe, ihn zu schonen. Hatte nicht das Ehepaar Ehlerding der CDU einst 5,9 Millionen Mark gespendet? Und sind Pollehn und Bernhardt nicht von jeher aktive Christdemokraten: Bernhardt als CDU-Abgeordneter im Bundestag, Pollehn als ehemaliger Staatssekretär im Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern? Beide kommen aus Schleswig-Holstein – wie Kurt Boysen, ehemaliger Staatssekretär im Kieler Kultusministerium und I.G.-Farben-Aufsichtsrat. Im Kontrollgremium des nun insolventen Unternehmens sitzt auch Ulrich Born, der stellvertretende Vorsitzende der Schweriner CDU-Fraktion. Der durfte 1998, im gleichen Jahr, als Bernhardt und Pollehn zu Liquidatoren berufen wurden, einen Scheck über 900000 Mark für die CDU Mecklenburg-Vorpommern in Empfang nehmen – von Ehlerding.

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