Colin Powell hat erstmals zu erkennen gegeben, wie er sich eine Friedenslösung im Nahen Osten vorstellen kann. Es ist nur eine Andeutung, aber die kann bedeutsam sein in Zeiten der Hoffnungslosigkeit. Sie steckt in einem Brief, der mit formloser Anrede beginnt: "Dear Jossi and Jasser". Mit Amtstiteln hält sich der amerikanische Außenminister nicht auf, denn die Adressaten haben keine (mehr). Es sind Privatleute. "Jossi" heißt mit Nachnamen Beilin, "Jasser" stammt aus der Familie Abed Rabbo. Ersterer war in Israel Justizminister, Letzterer bei der palästinensischen Autonomiebehörde Informationsminister.

Diese beiden Herren, unterstützt von allerlei Dignitäten beider Gesellschaften, wollen am 1. Dezember eine "Genfer Vereinbarung" unterzeichnen. Ein Papier, das so tut, als sei es ein völkerrechtlicher Vertrag. Es enthält all die schmerzhaften Kompromisse, vor denen die Regierenden zurückschrecken: ein palästinensischer Staat in Gaza und dem größten Teil des Westjordanlandes, ein geteiltes Jerusalem, ein geteilter Tempelberg, ein nur symbolisches Rückkehrrecht der Palästinenser nach Israel.

Dieses Dokument der Moderation erinnert an jene Friedensvorschläge, die Bill Clinton nicht durchsetzen konnte. Nun unterstützt der US-Außenminister genau diese Privatinitiative, auch wenn er sich auf Einzelheiten nicht festlegt.

Und Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz lobt als Repräsentant der Hardliner zur selben Zeit einen weiteren, ganz ähnlichen Vorstoß. Beides zusammen ist ein deutlicher Hinweis.

Den ganzen Sommer lang hatte die amerikanische Regierung versucht, die "Roadmap" einzuhalten, den Fahrplan zum Frieden. Sie übte Druck aus, auch auf Israel. Doch mit dem Rücktritt des palästinensischen Premiers Machmud Abbas ist die Hoffnung auf eine Lösung wieder geschwunden. Vor dem Wahlkampf in den USA bleibt keine Zeit mehr. Fortschritte kann es - jedenfalls unter amerikanischer Vermittlung - erst im Jahre 2005 wieder geben. Das Lob der Privatinitiativen deutet auf die Richtung amerikanischer Politik in der Zeit nach der Wahl. Indirekt wird die israelische Regierung davor gewarnt, zwischenzeitlich mit Siedlungs- oder Zaunbau Fakten zu schaffen.