Wenn schon in meinem Lieblingscartoon „Strizz“ der eindrucksvoll widerliche Kater Paul über die rechtzeitige Beschaffung von Weihnachtsgeschenken (für ihn selber!) nachdenkt, dann wird es wohl wirklich ernst, obwohl wir gerade erst den Volkstrauertag hinter uns haben und der erste Adventssonntag noch zwei Wochen lang auf sich warten lässt. Die Ruhe vor dem Sturm…

Nun wollen aber einige Leute den Sturm noch heftiger anfachen und künftig auch noch die vier Adventssonntage zu verkaufsoffenen Tagen erklären. Es geht natürlich nicht darum, die Hektik bei der Jagd nach Geschenken zu mildern, indem man die Ladenöffnungszeiten verlängert; denn gerade die Tatsache, dass die Geschäfte bisher am Sonntag geschlossen bleiben, verschafft den gehetzten Leuten ja wenigstens eine gewisse Atempause. ( Diese Atempause kommt vor allem dem Verkaufspersonal in den Galerien zugute.) Nein, die Leute sollen in Wirklichkeit noch mehr Präsente erwerben – Konjunkturaufschwung! Advent, Advent, die Mutter rennt…

Dass die Anhänger der Sabbat- und Sonntagsheiligung gegen die Entweihung dieses einen Ruhetages protestieren, ist zu erwarten. (Rein religionsgeschichtlich ist dieser Ruhetag, der immerhin auch vom Grundgesetz verteidigt wird – „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ - , auch gar nicht im eigenen institutionellen Interesse der Kirchen eingerichtet, sondern er symbolisiert seit den Zeiten des Alten Testaments einen „Streik gegen den permanenten Arbeitszwang“, wie es ein berühmter Theologe einmal formuliert hatte; heute könnten wir hinzufügen: auch gegen den permanenten Konsumzwang.) Also, dieser Protest ist normal und zu erwarten.

Ich stehe zunächst einmal auf dem Boden der (vermeintlichen) Tatsachen und registriere die kräftige Entchristlichung und Materialisierung unserer heutigen Welt – ob es früher wirklich anders war, lasse ich dahingestellt. Folglich mag die Einsicht in die religiöse, kulturelle und soziale Berechtigung eines gemeinsamen Tages „der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ nach und nach schwinden und dem (vermeintlichen) Bedürfnis nach ununterbrochenem Kauf-, vor allem aber: Verkaufsrausch weichen.

Was ich aber wirklich nicht verstehe, ist dieses: Wenn eine Gesellschaft denn wirklich ihre religiösen Wurzeln vergessen will: Weshalb wählt sie sich zum irrwitzigen Höhepunkt dieses Tanzes um das goldene Kalb ausgerechnet – ein christliches Fest? Und das angesichts der Tatsache, dass dieses Fest – Christi Geburt! – an eine legendäre Nacht erinnert, in der die unmittelbar Beteiligten (Maria, Joseph, das Kind – „in der Krippe liegend“ – und die Hirten) weder ein richtiges Dach über dem Kopf hatten noch sonst über das verfügen konnten, was hierzulande selbst die Sozialhilfeempfänger beanspruchen können.

Aber so sind halt unsere Materialisten: Ganz ohne Religion rollt der Rubel nicht. Auch wenn sie zu diesem Behufe zum Götzendienst pervertiert werden muss.